Sparen und Altersvorsorge mit ETF-Fondssparplänen: Schritt-für-Schritt Anleitung

Sparen und Altersvorsorge mit ETF-Fondssparplänen: Schritt-für-Schritt Anleitung

[nextpage title=”Schritt1: Depotbank wählen” ]

Einführung

In meinem ersten Artikel, der bereits vor einiger Zeit online gestellt wurde, habe ich mich mit den Grundlagen zum Sparen und der Altersvorsorge mit ETF-Fondsparplänen beschäftigt. Dort hatte ich auch angekündigt einen zweiten Artikel mit einer Schritt-für-Schritt Anleitung für den Aufbau einer solchen Sparlösung zu veröffentlichen. Hier folgt also nun der praktische Teil…

Einmal eingerichtet, werden Sie sehen, wie schön es ist jeden Monat den Wert des angesparten Geldes wachsen zu sehen. Am Anfang werden Sie noch öfters nach den aktuellen Kursen und Werten schauen, aber nach einigen Monaten wird die monatliche Investition dazugehören wie die Zahlung der Miete oder der Krankenversicherung. Wenn Sie den hier beschriebenen Ansatz verfolgen, gratuliere ich Ihnen zu Ihrer eigenen Altersvorsorge bzw. ihrem eigenen Sparfonds! Glückwunsch, Sie tun was sonst hauptsächlich Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter tun – nur dass Sie nahezu alle Einnahmen selbst behalten (bis auf sehr geringe Gebühren der Depotbank). Kein Versicherugsmakler oder Finanzvermittler wird sich über Provisionen freuen, die nach dem Abschluss von Ihren Einzahlungen “abgezweigt” werden. All dieses Geld können Sie ausschließlich für ihre eigene Ansparung und die Mehrung ihres zukünftigen Wohlstandes verwenden…

Legen wir also los:

Schritt 1:  Auswahl einer Depotbank

Wer nicht schon eine Depotbank hat, sollte sich jetzt umsehen. Wichtig dabei sind vor allem ein gutes Angebot an (kostengünstigen/kostenlosen) Sparplänen und dauerhaft günstigen Depotgebühren. Ich selbst bin schon seit vielen Jahren bei der DAB Bank und dort sehr zufrieden. Die DAB Bank hat ein günstiges Angebot für ETF Sparpläne. Weitere Kandidaten sind:

  • OnVista Bank
  • comdirect
  • Consorsbank
  • sBroker
  • ING DiBa
  • maxblue

Da ich aber keinen genauen Marktüberblick habe und es hier natürlich auch immer persönliche Präferenzen gibt, verweise ich auf das Internet. Hier kann man sich eine günstige und geeignete Depotbank seiner Wahl suchen. Dafür gibt es z.B. folgende Websites:

Die Liste liese sich leicht verlängern und eine Suche über Google bringt hier das aktuellste Ergebnis. Bitte lassen Sie sich noch Zeit mit der endgültigen Entscheidung bis zum letzten Schritt. U.u. hängt die Wahl auch mit der Verfügbarkeit bestimmter Sparpläne zusammen. Allgemein gesagt ist es für unsere Zwecke von Vorteil, wenn die Depotbank eine möglichst breite Palette an ETFs als sparplanfähige ETFs anbietet.

Wichtig nochmal: Immer auf die laufenden Kosten achten. Diese sollen möglichst gering ausfallen, um möglichst wenig Rendite “opfern” zu müssen.

Zeitaufwand: 1 Tag (inklusive der Auswahl und des Ausfüllens der Unterlagen)

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[nextpage title=”Schritt 2: Anlagemix wählen” ]

Schritt 2: Auswahl des Anlagemix (Anteil risikoloser Anlage)

Wie bereits im ersten Teil dargestellt sollte sich ein diversifiziertes Portfolio aus verschiedenen Anlageklassen zusammen setzen. Wichtig für den zweiten Schritt ist die Unterscheidung zwischen risikoloser und risikobehafteter Anlage, die im ersten Teil noch nicht so explizit vorgenommen wurde. Im Gegensatz zu den Anlageklassen, die typischerweise als risikobehaftet gelten (also Aktien, Immobilien, Rohstoffe, Unternehmensanleihen) soll das Gesamtrisiko des Portfolios ausschließlich durch die Höhe des risikolosen Anteils gesteuert werden. Der risikolose Anteil besteht dabei aus Geldmarktfonds bzw. Staatsanleihen (Empfehlung des Buches “Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs” sind deutsche Staatsanleihen).

Exclamation sign - Roter Sticker Pfeil mit SchattenWichtige aktuelle Anmerkungen dazu: Abweichend davon verwende ich zur Risikominimierung einen Fonds, der in inflationsgeschützte Staatsanleihen der Euro Zone investiert. Natürlich muss man im Angesicht der aktuellen Entwicklungen und der steigenden Staatsverschuldung darauf hinweisen, dass solche Staatsanleihen nicht 100% ausfallsicher sind. Somit verbleibt auch im risikolosen Teil ein gewisses Risiko. Weiter minimieren ließe sich dies durch Investition in Geldmarktfonds, die allerdings momentan quasi keine Rendite mehr liefern können, aufgrund der Nullzinspolitik der EZB. Diese Entscheidung überlasse ich dem geneigten Leser. Sollte es allerdings zu Zahlungsausfällen bei europäischen Staatsanleihen kommen, so dürfte dies wohl auch Auswirkungen auf den Euro als Währung haben – mit eventuell drohenden Währungsreformen bis hin zur Rückkehr zu nationalen Währungen. In diesem Falle würden wohl auch Geldmarktfonds von solchen Schritten betroffen sein.

Man sieht also – und das macht die Entwicklung der letzten Jahre (Stichwort: Staatsschuldenkrise) wieder sehr deutlich – dass es einen echten risikolosen Anteil nicht gibt. Trotz dieser semantischen Unschärfe bleibe ich der Einfachheit halber bei dem Begriff (unter Beachtung meiner Anmerkungen oben). Unabhängig vom Begriff ist die Aufteilung sinnvoll.

Implizit wurde in den Beispielen im Artikel zu den Grundlagen bereits eine bestimmte Auswahl dazu getroffen – es wurde eine Verteilung von 10% risikoloser und 90% risikobehafteter Anlage vorausgesetzt(siehe hier). Die Empfehlungen als Entscheidungsgrundlage stelle ich hier als Abzug aus dem Buch “Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs” dar:

Depotmischung_risikofrei_risikolos

Einige Hinweise dazu:

  • Daten enthalten keine Transaktionskosten (diese sollten aber recht gering ausfallen mit der passiven Anlage in Indexfonds, wie im ersten Teil schon erläutert)
  • die erwartete Rendite ist geringer als die historische Rendite um Transaktionskosten zu berücksichtigen und enthält einen konservativen Abschlag

Folgende Fakten sind eindeutig zu erkennen:

  • langfristig zeichnet sich ein höherer Anteil am Weltportfolio, also aus einem verschiedene Anlageklassen umfassenden risikobehafteten Portfolio, durch eine höhere Rendite aus
  • die Reduktion von Schwankungen durch einen höheren risikolosen Anteil (geringerer max. kumulierter Verlust) wird durch eine verringerte Rendite erkauft

Bitte beachten Sie unbedingt auch die letzte Zeile! Für einen Vermögensaufbau muss auch der entsprechende Zeitraum vorhanden sein. Weichen Sie nicht von den oben genannten Zeiträumen ab in Richtung einer risikoreicheren Verteilung. Auch wenn die Versuchung manchmal groß ist, so sollten Sie doch bei kürzeren geplanten Zeiträumen den Anteil der risikolosen Anlage deutlich erhöhen. Was nützt der schönste Kursgewinn wie an den Börsen in den letzten Jahren, wenn kurz vor dem Zeitpunkt zu dem Sie ihr Geld benötigen ein Crash daher kommt (ab 20% Verlust vom Höchststand im Index) und die Performance der letzten Monate oder sogar Jahre innerhalb weniger Wochen zunichte macht bzw. Ihnen einen Verlust beschert.

Hier noch ein paar Beispiele für solche Crashs:

  • Aktien-Crash von 1929 bis 1932: Rückgang im S&P 500 von real 79%
  • Platzen der dot.com Blase 2000-2003: Rückgang MSCI World um 57%, DAX 70%
  • Finanzkrise 2008/2009: Rückgang MSCI World um 60%, DAX 56%

Das diversifizierte Portfolio 1 (ohne risikolose Anlage!) hatte für die letzten 2 Crashs bereits einen etwas geringeren Verlust (54% ggü. 70% im DAX). Allerdings ist dies natürlich immer noch ein hoher Wert den man als Verlust seiner Ansparungen zur Vermögensbildung bzw. Altersvorsorge tolerieren können muss. Im DAX dauerte es jeweils von 2000 bis 2007 und von 2008 bis 2013 bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht war.

Beispiel: Simulation von 2 Portfolien mit 10% und 50% risikolosem Anteil (Einmalinvestment am Beginn)

Ich habe dazu meine Beispiele und Simulationen aus dem ersten Teil erweitert um ein besseres Gefühl für die tatsächlichen Entwicklungen zu bekommen. Im folgenden Chart sieht man die verschiedenen Entwicklungen für eine Einmalinvestition zu Anfang 2008, also direkt vor Ausbruch der Finanzkrise an den Finanzmärkten für zwei verschiedenen Portfolien. Zum einen das aus dem Teil 1 bereits bekannte Portfolio mit einer risikolosen Anlage von 10% (“Portfolio 10”) und ein Portolio mit einer risikolosen Anlage von 50% (“Portfolio 50”). Die “risikolose” Anlage erfolgt dabei in einen Fonds, der europäische inflationsgeschützte Staatsanleihen abbildet. Zudem erfolgt ein jährliches Rebalancing.

Vergleich Portfolio mit 10% und 50% risikoloser Anlage mit DAX und S&P 500
Vergleich Portfolio mit 10% und 50% risikoloser Anlage mit DAX und S&P 500

Der blaue Chart stellt das Portfolio 50 dar, während der braune Chart das gleiche Portfolio (gleiche Fonds und gleiche Gewichtung der Fonds im risikobehafteten Teil!) mit 10% risikoloser Anlage darstellt. Wie man sieht, wurde der große Verlust, den das Portfolio 10 in 2009 erlitten hat, noch nicht wieder durch die bessere (erwartete) Performance von Portfolio 10 erreicht.

Hier ein paar Kennzahlen, die mit Hilfe von Wiso Börse 2015 errechnet wurden (mit Hilfe dieser Software habe ich auch die Simulationen durchgeführt und die Charts erzeugt).

  • Portfolio 50: Maximaler Verlust 25,23%; Maximaler Gewinn 50,62%
  • Portfolio 10: Maximaler Verlust 50,23%; Maximaler Gewinn 72%

Das Ergebnis verwundert etwas, da das Portfolio mit der höheren erwarteten Rendite auf Sicht von 7 Jahren schlechter abschneidet, passt aber doch zu der oben angegebenen Tabelle. Diese besagt, dass für einen Zeitraum von 7 Jahren mindestens ein 40% – iger risikoloser Anteil gewählt werden sollte. Somit zeigt unsere Simulation, dass die Werte in der Tabelle auch bzgl. des Mindestanlagezeitraums respektiert werden sollten.

Exclamation sign - Roter Sticker Pfeil mit SchattenDenken Sie also genau über den Mindestanlagezeitraum nach. Es ist einer der wichtigsten – wenn nicht sogar der wichtigste Aspekt der Auswahl der Höhe des risikolosen Anteils im Portfolio. Er ist definiert als der Zeitraum, in dem Sie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, d.h. außer im absoluten Notfall, nicht an das angesparte Kapital heran müssen. Im Zusammenhang mit der Altersvorsorge ist es der Zeitraum, der ihnen mindestens noch verbleibt, bis Sie Ihre Altersvorsorge benötigen. Ich empfehle noch einen Puffer von 2-3 Jahren abzuziehen: Stellen Sie sich vor, Sie hätten 10 Jahre lang gespart und wollten Ende 2008 in Rente gehen und erwischen einen Abschwung im Markt. Natürlich sollten Sie in den letzten Jahren bevor Sie ihr Geld benötigen, Schritt für Schritt den risikolosen Teil des Portfolios nach der oben angegebenen (Rest-) Laufzeit = Mindestanlagezeitraum aufstocken. Dennoch kann ein Sicherheitsabschlag nicht schaden.

Wir haben nun also anhand unserer Risikoneigung und der Tabelle oben den risikolosen Anteil unseren Portfolios bestimmt. Weiter geht es mit der Zusammenstellung des risikobehafteten Teils des Portolios im Schritt 3.

Zeitaufwand: 1 Tag (inklusive einiger Bedenkzeit und einiger Berechnungen zum frei verfügbaren Kapital)
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[nextpage title=”Schritt 3: Asset Allocation”]

Schritt 3: Auswählen der Komponenten im risikobehafteten Teil

Folgende Leitlinien sollen die Auswahl der Anlagen im risikobehafteten Teil steuern:

  • Hauptaugenmerk soll auf internationale Aktien gelegt werden, da diese langfristig die höchten Renditen erwirtschaften
  • meiner Meinung nach sollen aber zur Diversifizierung auch weitere Assetklassen einbezogen werden (Immobilien und Rohstoffe)
  • die Gewichtung innerhalb der Aktienfonds richtet sich in meinem Musterportfolio nach den Regionen der Welt und dem jeweiligen Anteil am Weltbruttosozialprodukt zu diesem Punkt gestatten Sie mir bitte ein paar kurze Anmerkungen, 0hne hier einen wissenschaftlichen Diskurs anbringen zu wollen:
    • Studien belegen, dass es sinnvoller ist, die Portfoliozusammensetzung anhand realwirtschaftlicher Größen wie dem Brutto-Sozialprodukt festzulegen, statt sich an der Marktkapitalisierung zu orientieren (z.B. Heiko Jacobs, Sebastian Müller und Martin Weber “Wie diversifiziere ich richtig? – Eine Diskussion alternativer AssetAllocation Ansätze zur Konstruktion eines “Weltportfolios“)
    • einen weiteren Hinweis dazu gibt es auch im Buffett Indikator (Informationen z.B. hier), der die Marktkapitalisierung aller inländischen Aktien ins Verhältnis zum Brutto-Sozialprodukt stellt; ist der Quotient größer als der historische Durchschnitt (in den USA ab >100%) geht man von einer Überbewertung der Aktien aus –> auch hier wird also der Bezug zum Brutto-Sozialprodukt hergestellt.
    • zudem soll über das jährliche Rebalancing anhand des Anteils der Regionen am Weltbruttosozialprodukt ihre Gewichtung einer Region im Weltportfolio erhöht werden, wenn ihr Anteil am Sozialprodukt gewachsen ist; dies ist für mich eine logische Entwicklung, da man ja den weltweiten Markt abbilden möchte
  • Nebenwerten soll dabei aufgrund ihrer höheren erwarteten Rendite besonderes Augenmerk geschenkt werden

Wichtig:

  1. Das Risiko der einzelnen Aktien bzw. Regionen spielt bei der Zusammensetzung des risikobehafteten Teils keine Rolle, das Risiko soll ausschließlich über den Anteil risikoloser Anlagemöglichkeiten gesteuert werden.
  2. Bleiben Sie langfristig ihrer Asset-Allokation treu. Eine Veränderung ist in diesem Portfolio schädlich und sie laufen im Zweifelsfall nur der Entwicklung bestimmter Aktienindizes hinterher in der Hoffnung bessere Renditen zu erzielen. Wenn Sie aktiv handeln wollen, eröffnen Sie ein weiteres Depot und toben sich dort aus (so wie ich z.B. mit meinen Wikifolios) und befriedigen Sie ihren Spieltrieb 🙂 – hier hat das aber nichts zu suchen.

Nun aber zur Zusammensetzung des Weltportfolios. Ich setze auf 10 verscheidene Assetklassen in meinem Portfolio. Viel weniger würde ich nicht empfehlen, es sei denn sie wollen deutlich weniger als 5.000 Euro einmalig bzw. weniger als 100 Euro im Monat ansparen in ein diversifiziertes Weltdepot. Für diesen Fall sollte man einige der Positionen zusammenziehen und über Investments in z.B. den MSCI World nachdenken. Es gibt hier auch bereits fertige Fondprodukte (z.B. den ARERO Fonds oder easyfolio). Diese bieten natürlich einen hohen Komfort, Sie sind allerdings nicht ganz so flexibel wie mit einer eigenen Lösung…
Mein Vorschlag zur grundsätzlichen Aufteilung sieht folgender maßen aus:

Weltportfolio
Anteil prozentualer Anteil Anlageklasse Unterteilung Typ/Region Region
Weltportfolio 60% Aktien entwickelte Länder Growth-Aktien/Large-Caps Region nach BIP1
Region nach BIP2
Region nach BIP3
Value-Aktien/Small Caps
Schwellenländer BRIC
Südosteuropa und Afrika
Frontier Countries
Immobilien
Rohstoffe Rohstofffutures
risikolose Anlage 40% Geldmarktfonds/Staatsanleihen mit Restlaufzeit unter 3 Jahren

Aufteilung des Musterportfolios (eigener Vorschlag)

Um Ihnen die Arbeit zu erleichtern, habe ich im Excel-Arbeitssheet, dass Sie sich hier herunter laden können folgende Schritte bereits vorbereitet:

  • Einige Fragen, deren Beantwortung eine Empfehlung für den Anteil der riskiolosen Anlage errechnet
  • Ein Excel-Formular, das aufgrund der eingegebenen Einmalanlage bzw. der gewünschten monatlichen Anlage eine mögliche Aufteilung auf die oben genannten Anlageklassen errechnet.
Arbeitshilfe Weltportfolio
Arbeitshilfe Weltportfolio – Dateneingabe für die Empfehlungen

Sie können natürlich auch gern selbst aktiv werden und ihr eigenes sheet entwerfen. Uns geht es also nun um die Aufteilung der oben blau dargestellten Portfoliobestandteile:

  1. Immobilien: Wie im Teil 1 bereits anhand von Beispielen (“grundbesitz global“) gezeigt, haben Immobilien (in Form eines in Immobilien investierenden Fonds) teilweise sogar negative Korrelationen mit Aktien. Somit trägt der Immobilienanteil aktiv zur Diversifizierung und Risikosenkung des Portfolios bei. Angelehnt an Beispielportfolien im Internet gehe ich von einem Anteil von 10% am risikobehafteten Teil aus.
  2. Rohstoffe: Die Beimischung von Rohstoffen (in Form von Fonds, die in Rohstoff-Futures investieren) ist wohl eher Geschmackssache. Die Korrelation mit Aktien ist deutlich größer als bei Immobilien, aber immer noch geringer als zwischen Aktien. Daher würde ich – z.B. wenn Sie gern Edelmetalle wie z.B. Gold im Portfolio hätten – einen Anteil von nicht mehr als 10% empfehlen.
  3. Aktien: Wie bereits beschrieben ergibt sich der Aktienanteil aus dem risikobehafteten Teil unter Abzug des Anteils von Rohstoffen und Immobilien. Wenn Sie meinen Empfehlungen oben folgen, ergibt sich ein Anteil von 80% Aktien im risikobehafteten Teil.

Gewichtung der Aktien ETFs nach Anteil am Welt-BIP

Wir haben nun bereits ein Portfolio mit einem risikolosen Anteil, sowie einem Anteil von 10% Rohstoffen und 10% Immobilien im risikobehafteten Teil.  Nun stellt sich noch die Frage der Aufteilung der Aktieninvestments. Da wir hier mit börsengehandelten Indexfonds arbeiten wollen andererseits aber die Regionen nach dem Anteil am Welt-BIP im Depot repräsentiert werden sollen, ist dieser Schritt etwas kniffelig. Man sollte aber hier auch im Hinterkopf behalten, dass wir eine möglichst einfach zu handhabende Lösung suchen und eine 100% exakte Struktur ohnehin nicht möglich ist. Daher sollten wir uns mit gerundeten Werten begnügen. Zudem ist eine genaue Nachbildung der BIP Anteile schwierig, da man für jede Region trennscharfe Produkte finden müsste, die nicht einfach zu finden sind. Eine erste grobe Unterscheidung ergibt sich nach

–> entwickelte Länder / Schwellenländer: Hier arbeite ich momentan mit einem Verhältnis von 70% / 30%

Entwickelte Länder (70%)

Growth Aktien/Large Caps  (50%)

Aufteilung nach BIP: Hier können Sie nun verschiedene Aufteilungen wählen, ich empfehle aber nicht mehr als 3 Positionen zu wählen. Als Grundlage verwende ich den World Economic Outlook des IWF. Ich habe die aktuellen Werte zum BIP Anteil aus der Datenbank geladen  und hier als Excel-Sheet zur Verfügung gestellt: Anteile am Welt BIP (gemessen in Kaufkraftparität)

Value Aktien/Small Caps (50%)

Hier empfehle ich einen weltweit investierenden Small Cap Index ETF (bspw. SPDR MSCI World Small Cap). Ich persönlich verwende hier aus historischen Gründen den DWS Value, einen aktiv gemangten Fonds, da es zum Zeitpunkt als ich mein Portfolio aufgesetzt habe, noch keine ensprechenden ETFs gab. Ich bin mit dem DWS Value Fonds übrigens recht zufrieden. Zudem gibt es momentan keinen Fondssparplan bei den großen Anbietern für den SPDR ETF (lesen Sie dazu meine Tipps für den workaround).

Schwellenländer (30%)

Da die Gewichtung nur anhand von verfügbaren ETFs vorgenommen werden kann und dann von dem Anteil der jeweils vertretenen Länder am Welt BIP abhängt, geht es mit Schritt 4 weiter.

Zeitaufwand: 4 Stunden (zur Aufstellung des Gerüstes), weniger wenn Sie meine Vorlage verwenden

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[nextpage title=”Schritt 4: Auswahl Indizes/ETFs” ]

Schritt 4: Auswahl von Indizes/ETFs und deren Gewichtung

Folgende Punkte sollen die Leitlinien für die Auswahl der Produkte sein:

  • wir wollen gebühreneffizient arbeiten –> möglichst geringe Gebühren durch Verwendung von ETF Indexfonds mit Kosten von ca. 0,5% pro Jahr oder weniger
  • es sollen nach Möglichkeit keine Zertifikate (–> Inhaberschuldverschreibungen!) verwendet werden, sondern wenn möglich nur Indexfonds
  • es handelt sich um ein statisches passives Portfolio (kein aktiver Handel!) mit einem jährlichen Rebalancing (sie können auch ein halbjährliches Rebalancing durchführen, aber nach meiner Meinung steht der Nutzen nicht im Verhältnis zum Zusatzaufwand)
  • unkompliziert und einfach: Nachdem Sie diesen Guide durchgearbeitet haben, soll sich der laufende Aufwand auf das jährliche Rebalancing (ca. 1 Tag/Jahr) beschränken
  • nach Möglichkeit sollen steuereinfache und thesaurierende ETFs verwendet werden, sodass möglichst kein zusätzlicher Aufwand für Wiederanlage von Erträgen anfällt

Ich bespare schon seit vielen Jahren mein persönliches Portfolio zur Altersvorsorge. Beim Verfassen dieses Artikels sind mir viele neue Entwicklungen bewußt geworden. So ist die Auswahl an Indizes und entsprechenden ETFs extrem angewachsen. Wo ich noch teilweise auf aktiv gemangade Fonds angewiesen war, kann man heute eigentlich alle Bereiche mit Index-ETFs abbilden.

Zudem gibt es sehr detaillierte Diskussionen im Internet zu Vor- und Nachteilen einzelner ETFs. Dabei wird dann auf Vor- und Nachteile bzgl. Replikation bzw. synthetischer Nachbildung, Steueraspekte usw. eingegangen. Grundsätzlich empfehle ich aber die steuerlichen Aspekte, sowie die Replikationsmethode erst als Auswahlkriterium zu verwenden, wenn man sich schon für einen Index zur Investition entschlossen hat und mehrere ETFs vergleicht.

Steuerliche Gesichtspunkte – Problem “ausländischer thesaurierender Fonds”

Grundsätzlich sind die Gewinne aus Investitionen in Fonds steuerpflichtig und zwar unabhängig von der Haltedauer seit 2009. Die Abgeltungssteuer gilt dabei für Kursgewinne genauso wie für etwaige Ausschüttungen bzw. Thesaurierungen. Da wir hier ja Kapital ansparen wollen und Ausschüttungen nur Zusatzaufwand zur Wiederanlage bedeuten, sollten wir grundsätzlich thesaurierende Fonds bevorzugen. Dies hat den Vorteil, dass man sich neben dem Rebalancing nicht noch um weitere Ausschüttungen und Reinvestition dieser kümmern muss. Die laufenden Erträge innerhalb der Fonds (wie Dividenden bspw.) müssen allerdings versteuert werden. Bei inländischen Fonds geschieht dies direkt durch die Fondgesellschaft. Bei ausländischen thesaurierenden Fonds allerdings müssen Sie selbst aktiv werden und die (thesaurierten) Erträge in der Steuererklärung angeben. Die erhöht den Aufwand etwas (obwohl man i.d.R. von seiner Depotbank mit allen diesbezüglichen Informationen versorgt wird). Macht man seine Steuererklärung selbst, so muss man die entsprechenden Abrechnungen in seiner Software erfassen. Bei mir wird das im Rahmen der Steuererklärung vom Steuerberater erledigt. Zudem kann es hier zur Doppelbesteuerungen kommen. Denn beim Verkauf der Anteile führt die Depotbank automatisch die Abgeltungssteuer auf alle Erträge während der Haltezeit des Fonds ab inklusive natürlich der Gewinne aus Thesaurierung. Nun müssen Sie beweisen, dass sie dies während all der Jahre ordnungsgemäß bereits deklariert und versteuert haben. Dazu sollten sie eine genaue Aufstellung aller Steuerzahlungen auf Fondsebene aufheben und dem Finanzamt vorlegen. (Näheres dazu z.B. in diesem Artikel)

Basierend auf meinem persönlichen Portfolio zur Altersvorsorge habe ich mal die aktuellen Werte für 2014 rausgesucht. Ausgeschüttet wurde ein Betrag, der ca. 0,51% meines Depotwertes entspricht. Thesauriert wurde ein Betrag, der 0,12% meines Depotwertes entspricht. Bei einem Portfolio mit einem Wert von 100 Tsd. Euro, entspräche dies 510 Euro Ausschüttung und 120 Euro Thesaurierung. Nun erhebe ich nicht den Anspruch, dass mein Portfolio repräsentativ ist, aber ob es bei einer Anlage von 100 Tsd. Euro tatsächlich von entscheidender Bedeutung ist, ob 120 Euro Thesaurierung doppelt besteuert werden oder nicht, wage ich stark zu bezweifeln… schließlich bewegen wir uns hier im Bereich der Schwankungen eines Tages bzw. zwischen den Gebühren verschiedener Fonds… Nichtsdestotrotz ist es ratsam, bei der Auswahl von ETFs auf den gleichen Index verschiedener Anbieter, denjenigen zu wählen, der seinen Sitz im Inland hat (so vorhanden).

Allerdings sollte die steuerliche Betrachtung immer erst am Ende erfolgen. Ich habe den Eindruck, dass insgesamt oft der steuerliche Aspekt viel zu hoch gewichtet wird. Dies führt oft zu fragwürdigen Anlagen (“Steuersparmodelle”), die nur durch (erwartete) steuerliche Vergünstigungen oder ähnliches zu begründen sind. Ich sehe es eher so:

Muss ich Steuern zahlen, dann freue ich mich erstmal, dann ich habe offensichtlich Gewinne erzielt. Nun kann ich mich darum kümmern, wie man die Ausschüttung bzw. Verwendung steuerliche günstig gestaltet.

Art der Replikation

Die Nachbildung der Basis Indizes von ETFs kann auf verschiedenen Wegen erfolgen. Neben der offensichtlichen Investition in die enthaltenen Aktien mit dem aktuellen Gewicht im Index, gibt es weitere Methoden. Man kann daher im Wesentlichen zwei Arten unterscheiden:

  1. physische Replikation:
    Es wird tatsächlich in die Werte des zugrundeliegenden Index investiert. Aus Kostengründen (Transaktionskosten!) wird aber häufig der Index nicht zu 100% nachgebildet, sondern es wird nur in die großen Werte investiert. Die kleinen Indexleichtgewichte tragen kaum zur Entwicklung des Index bei (sogenanntes Optimized Sampling). Hier entstehen dann natürlich auch Erträge (i.d.R. Dividenden), die versteuert werden müssen.
  2. Synthetische Replikation anhand von Swaps:
    Eine weitere Replikationsmethode stellt die Investition in Swaps dar. Dabei geht die Fondgesellschaft ein Tauschgeschäft mit einer Bank ein und erhält die Performance des zugrundeliegenden Index als Zahlung. Dies hat den Nachteil, dass es ein Ausfallrisiko gibt (kann die Bank als Geschäftspartner des Fonds nicht mehr zahlen, so ist u.U. zumindest ein Teil des Vermögens verloren). Oft gibt es hier aber Besicherungen (“funded Swap”, “fully funded Swap”), die dafür sorgen, dass selbst bei Zahlungsausfall zumindest ein Teil des Fondsvermögens gesichert ist. Die Swap-basierten Fonds sind in der Regel günstiger, da sie von niedrigeren Transaktionskosten großer Banken profitieren. Zudem fallen i.d.R. keine steuerpflichtigen Erträge an. Dies vereinfacht die steuerliche Behandlung während der Laufzeit.

Nähere Informationen zu den Replikationsmethoden gibt es z.B. hier.

weitere Informationen zu diesen Thema finden Sie bei Interesse unter:

Auswahl und Gewichtung

Nun aber zur Auswahl und Gewichtung. Um das Ganze anschaulich zu gestalten, verwende ich mein Musterportfolio – sie finden das komplette Portfolio inklusive Berechnung der Anteile nach Investitionskapital und weiteres im Excel-Sheet als Arbeitshilfe

.
Die Auswahl erfolgte hier anhand der Übersichten zum BIP Anteil sowie der verfügbaren Fonds. So ist es z.B. fasst unmöglich einen Asienfonds zu finden, der nicht China beinhaltet (ist unter Schwellenländer Aktiens im BRICS Fonds nochmal beinhaltet). Hier muss man dann gewisse Kompromisse eingehen, wenn man nicht jedes Land einzeln abbilden will. Die Komplexität mit 10 Produkten ist ohnehin schon ausreichend.

Risikobehaftete Anlage (100% abzüglich des risikolosen Anteils)

1) Aktien (80% im risikobehafteten Teil)

a) Entwickelte Länder (70% Aktienteil)

Growth Aktien/Large Caps  (50%)

Europäische Union, inkl. UK (Anteil BIP: 18,41%, Anteil in Large Caps: 30,63%)
Produkt: ComStage STOXX Europe 600 NR UCITS ETF
ISIN:
LU0378434582

USA und Kanada (Anteil BIP: 17,6%, Anteil in Large Caps: 29,28%)
Produkt: ComStage MSCI North America TRN UCITS ETF
ISIN: LU0392494992

China, Südkorea, Taiwan, Indien, Malaysia, Hongkong, Indonesien, Thailand, Philippinen (Anteil BIP: 24,1%, Anteil in Large Caps: 40,09%)
Produkt: db x-trackers MSCI EM Asia Index
ISIN: LU0292107991

Value Aktien/Small Caps (50%)

SPDR MSCI World Small Cap (100%)
Produkt: SPDR MSCI World Small Cap UCITS ETF
ISIN: IE00BKWQ0M75

b) Schwellenländer (30% Aktienteil)

BRIC (Anteil BIP: 29,5%; Anteil Schwellenländer: 65,6%)
Produkt: db x-trackers MSCI BRIC Index UCITS ETF 1C
ISIN: LU0589685956
Südosteuropa und Afrika (Anteil BIP: 8,7%, Anteil Schwellenländer: 19,3%)
Produkt: db x-trackers MSCI EM EMEA INDEX UCITS ETF 1C
ISIN: LU0292109005
Frontier Countries (Anteil BIP: 6,8%; Anteil Schwellenländer: 15,1%)
Produkt: RBS Market Access-MSCI Frontier Markets Index UCITS ETF
ISIN: LU0667622202
 2) Immobilien (10% im risikobehafteten Teil)
Um die Möglichkeiten der Diversifizierung zu nutzen, sollte hier kein REIT Fonds (Real Estate Investment Trusts – börsennotierte Immobilienunternehmen) verwendet werden (also ein Fonds, der in Immobilienaktien investiert). Dieser investiert ja letztendlich auch wieder nur in Aktien von Immobilienfirmen, die von globalen Abschwüngen am Aktienmarkt genauso betroffen sind wie andere Aktien. Daher schlage ich vor in einen aktiv gemanagden Immobilienfond zu investieren (offener Immobilienfonds) und bin bisher in meinem Portfolio damit gut gefahren
Wem das nicht behagt, der kann entweder in einen ETF auf eine REIT Index investieren – oder die Immobilienklasse komplett auslassen, da viele Aktien von REITs ohnehin in den anderen Aktienindizes vertreten sein dürften.
Produkt: grundbesitz global RC
ISIN: DE0009807057
3) Rohstoffe (10% im risikobehafteten Teil)
Hier können Sie wählen, ob Sie einen breiten Rohstoffkorb, oder vielleicht nur eine Goldbeimischung haben möchten. Ich habe mich für den breiten Korb entschieden, der u.a. Öl, Gas, Metalle, Edelmetalle, Weizen und Zucker enthält.
Produkt: db x-trackers DBLCI – OY Balanced UCITS ETF 1C
ISIN: LU0292106167

Risikolose Anlage (Anteil je nach persönlicher Situation)

Wie schon weiter vorn beschrieben, habe ich hier einen Index auf europäische inflationsgeschützte Staatsanleihen gewählt. Inflation ist zwar momentan kein Thema, aber das kann sich auch wieder ändern. Die problematische Bezeichnung “risikolose” Anlage habe ich auch bereits weiter oben thematisiert und kurz dargestellt, dass es eine risikolose Anlage eigentlich nicht gibt.
Produkt: Lyxor UCITS ETF SICAV (FR) – EuroMTS Infl. Linked Inv. Grade (DR) EUR
ISIN: FR0010174292
Nun haben wir ein Portfolio, in dem alle Bestandteile definiert sind und mit einem Gewicht versehen sind. Dies stellt unsere Sollstruktur dar. Mit Hilfe von Excel Tabellen kann man nun recht einfach die Anteile bei einer festen Investition bzw. die Sparraten für Sparpläne berechnen.  In meiner Arbeitshilfe in Excel finden Sie bereits alles vorbereitet und können direkt loslegen:
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[nextpage title=”Schritt 5: Sparpläne anlegen” ]

Schritt 5: Erstellen von Sparplänen (oder Einmalanlage)

Wenn Sie bis hierher gelesen haben und eventuell sogar selbst schon aktiv geworden sind, dann haben Sie schon den größten Teil des Weges gescchafft! Glückwunsch, Sie sind dabei ihre finanzielle Unabhängigkeit selbst in die Hand zu nehmen.
Der Rest ist eigentlich nur noch ein Schritt, nämlich unser theoretisches Portfolio tatsächlich in ein reales Portfolio umzusetzen.

Dazu errechnen wir anhand der oben festgelegten Gewichte den Anteil an unseren monatlichen Sparraten bzw. der Einmalanlage aus. Nun muss man aus praktischen Gesichtspunkten noch die zwei Fälle unterscheiden:

  • Einmalanlage
    • Gebühren
      In der Regel bieten viele Depotbanken günstige Sparpläne zur Besparung von ETFs an. Bei der Einmalanlage sieht das anders aus. Hier müssen die Fondsanteile über die Börse gekauft werden und es fallen Transaktionskosten an. Diese sollten zwar heute auch relativ gering sein, müssen aber bei der Berechnung berücksichtigt werden. U.u. müssen sie die Anzahl der zu kaufenden Anteile etwas reduzieren um innerhalb des vorgegebenen Anlagebetrags zu bleiben. Hier verweise ich auf viele Internetseiten, die Vergleiche für die Gebühren von Depotbanken anbieten (z.B. justETF.de Übersicht über Kaufkosten von ETFs)
    • Handelbarkeit nur von ganzen Stücken
      An der Börse können Sie nur ganze Stücke (=Fondsanteile) erwerben und müssen somit auch hier kleine Korrekturen manuell vornehmen (z.B. Abrunden auf die nächst kleine volle Stückzahl). Zusammen mit der Berücksichtigung von Gebühren kann es also sein, dass sie die berechnete Anzahl zu kaufender Anteile ein wenig reduzieren müssen.
  • Sparpläne
    Sparpläne haben den Vorteil, dass Sie einen festen Betrag (meist ab einer Mindeshöhe von 25 oder 50 Euro)angeben können und die Depotbank auch Bruchstücke von Fonds kauft, sollte die Summe nicht zufällig ganze Stücke ergeben. Hierbei gibt es eigentlich kein Problem, bis auf das Ende der Ansparphase, es lassen sich nämlich nur ganze Stücke an der Börse verkaufen … Aber das kann man dann mit seiner Depotbank bzw. der Fondgesellschaft direkt regeln.
    • Gebühren
      Hier lohnt am Ende der Blick auf einen Depotbankvergleich um herauszufinden, welche Fonds überhaupt sparplanfähig sind und wie die Gebühren aussehen. Sollte ein Fonds nicht sparplanfähig sein, stehen 2 Möglichkeiten offen:
      1) Sie wählen einen anderen (ähnlichen) Fonds, bspw. mit dem gleichen Basisindex:
      In der Vergangenheit habe ich z.B. den “DWS Global Value” Fonds verwendet für Small Caps/Value Aktien, da kein passiver Fonds verfügbar war, der das Segment abdeckt. Es handelt sich zwar um einen aktiv gemanagden Fonds, aber manchmal muss man halt kleinere Abweichungen von der Idealwelt akzeptieren. Oder
      2) Sie bemühen einen Workaround:
      Legen Sie einen Dauerauftrag an und überweisen sie die monatliche Rate auf das Verrechnungskonto ihrer Depotbank und kaufen Sie sobald sie die “kritische Masse” erreicht haben (also sich ein Kauf über die Börse mit annehmbaren Gebühren lohnt) manuell die entsprechenden Anteile über die Börse. Dies ist natürlich deutlich aufwändiger als reine Sparpläne. Sie können aber so ihre Strategie wie gewünscht abbilden. Wenn Sie meinem Musterdepot folgen, werden Sie feststellen, dass dies den SPDR MSCI World Small Cap betrifft. Zur Zeit (Stand: September 2015) bietet keine der größeren Depotbanken in Deutschland einen Sparplan für diesen Fonds an.

Sparplan anlegen

Im letzten Schritt können wir nun über die jeweilige Depotbank die Sparpläne anlegen. Anbei ein Bild das beispielhaft die Anlage eines Sparplans auf einen ETF bei der DAB-Bank zeigt.

Anlage eine ETF Sparplans bei der DAB Bank AG
Anlage eine ETF Sparplans bei der DAB Bank AG

Tipps:

Rate zu niedrig für einen Sparplan?
Sollten die monatliche Rate zu gering sein für eine Anlage eines Sparplans, verwenden Sie einfach eine niedrigere Frequenz (bspw. 3 Monate) und verwenden die 3 fache monatliche Rate. So können Sie auch sehr kleine Anteile von ETFs kaufen, indem sie vielleicht nur 1-mal pro Jahr investieren.

Fonds ist nicht sparplanfähig?
Verwenden Sie einen anderen Fonds, oder arbeiten Sie mit einem manuellen Workaround wie oben beschrieben, indem Sie über einen Dauerauftrag Geld auf ihr Verrechnungskonto überweisen und manuell über die Börse den ETF kaufen sobald genug Geld vorhanden ist um das wirtschaftlich (ohne überproportional hohe Gebühren) tun zu können.

Achten Sie auch auf den Startzeitpunkt der Sparpläne um möglichst gleichmäßige monatliche “Raten” zu erreichen!
Sollten Sie (wie ich auch) mit Sparplänen arbeiten, die nicht jeden Monat ausgeführt werden (weil sonst die Rate zu gering wäre), achten Sie darauf, die Sparpläne geschickt zu “verschachteln” – wie beim Tetris. Was meine ich damit? Nun, wenn Sie z.B. zwei Sparpläne mit 2 Monatiger Frequenz besparen, sollten diese in zwei aufeinanderfolgenden Monaten starten. Sie können das Startdatum beim Einrichten des Sparplans bestimmen. So erreichen Sie trotz der geringeren Frequenz möglichst gleichmäßige monatliche Zahlungen. Sie wollen ja nicht einen Monat 100 Euro zahlen und im nächsten Monat 500 Euro, nur weil alle zwei monatlichen Zahlungen immer in den gleichen Monat fallen – zumindest geht es mir so.

Schlusswort

Ich hoffe Ihnen mit dieser Anleitung eine Hilfe an die Hand zu geben, mit der Sie aktiv die Vermögensbildung in die Hand nehmen können. Mein Ziel ist es diesen Weg so einfach wie möglich darzustellen, sodass mehr Menschen gerade in Deutschland, ihre finanzielle Unabhängigkeit mehr in die eigene Hand nehmen.

In einem weiteren Artikel möchte ich mich mit dem Rebalancing sowie der Wartung und Pflege eines solchen Portfolios beschäftigen. Auch hier gibt es noch ein paar Herausforderungen zu meistern.

Sollten Sie Anmerkungen, Fragen, Kritikpunkte oder weitere Ergänzungen haben, so freue ich mich über Feedback am besten in Form von Kommentaren zu diesem Artikel.

Zuguterletzt noch der Hinweis: Es geht hier hauptsächlich um die Darstellung einer Methodik zum Aufbau einer Vermögensbildung. Die genannten Produkte sind Vorschläge meinerseits, die sich aufgrund meiner persönlichen Kriterien ergeben. Sowohl die Gewichtung als auch die Auswahl der ETFs und Fonds spiegeln lediglich meine persönliche Präferenz wieder und stellen keine Empfehlungen oder gar eine Beratung dar!

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf dem Weg zur finanziellen Unabhängigkeit

Ihr

Frank Schmolz

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2 Gedanken zu “Sparen und Altersvorsorge mit ETF-Fondssparplänen: Schritt-für-Schritt Anleitung

  1. Ein sehr guter Artikel mit wichtigen Informationen. Insbesondere wenn man gerade am Anfang ist und sich mit diesem Thema auseinander setzt, kann dies eine sehr große Hilfe sein.

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