Sparen und Altersvorsorge mit ETF-Fondsparplänen – Grundlagen

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Einführung

Nur jeder zehnte Aktienfonds schlägt den Markt. Deswegen bin ich konsequenter Anhänger von Indexfonds.“ (Charles Schwab, Gründer und Hauptaktionär des größten Discount-Brokers der Welt, Charles Schwab&Co.).

In Zeiten der Null- bzw. Negativzinsen lohnt es sich verstärkt über echte Alternativen für den langfristigen Vermögensaufbau – wie z.B. der Altersvorsorge – nachzudenken. Die klassische Lebensversicherung hat momentan große Probleme ihre Versprechen über den Garantiezins hinaus einzulösen. Leider trägt die Geldpolitik der EZB zwar dazu bei, dass viele Staaten überhaupt noch zahlungsfähig sind – bei einem normalen Zinsniveau wären das wohl einige nicht mehr – aber leider werden alle Sparer, die z.b. die Lebensversicherung oder Termineinlagen oder Anleihen als Mittel der Wahl angesehen haben, um ihre Altersvorsorge zu bestreiten, um einen Großteil ihrer erwarteten Erträge gebracht. Für die meisten Menschen in den Mitgliedsstaaten der EU wird die künstliche Beatmung der Landeshaushalte teuer erkauft – oft auf Kosten ausreichender Rücklagen aus Sparguthaben z.B. für die Altersvorsorge.

Daher möchte ich an dieser Stelle ein Konzept vorstellen, dass ich seit vielen Jahren einsetze um langfristig Vermögen aufzubauen. Die Anlage läuft dabei parallel und unabhängig vom aktiven Management wie z.B. bei meinen wikifolios (ESCON Value & Special Situations / ESCON Global Dividends).

Das Konzept basiert auf einem Buch, dass ich vor vielen Jahren zu diesem Thema las: Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen. In diesem Buch beschreibt der Autor Ansätze um mit passiven Indexinvestments langfristig Vermögen aufzubauen. Zudem beschäftigt sich der Autor auch damit zu zeigen, dass viele aktiv gemanagte Portfolios – ob von privaten Investoren oder Profis – langfristig nicht ihre Benchmark schlagen können und den eigenen Erfolgsversprechen deutlich hinterherhinken. Wenn ich im Verlauf des Artikels Zitate verwende oder bestimmte Zahlen/Statistiken vorstelle, so stammen diese – wenn nicht anderweitig gekennzeichnet – aus diesem Buch.
Nun beschäftige ich mich selbst seit vielen Jahren mit der aktiv gemanagten Anlage meines eigenen Vermögens und bin auch davon überzeugt, langfristig gute Anlageergebnisse zu erreichen. Dennoch hat die hier vorgestellte passive Anlage in Indexfonds (das sogenannte „Indexing„) sehr viele Vorteile (zur näheren Erläuterung von Indexfonds, siehe hier):

  • es führt auf lange Sicht mit größerer Wahrscheinlichkeit in die Gruppe der erfolgreichsten 10 Prozent aller Anleger als jeder andere Investmentansatz
  • es ermöglicht die Senkung des Anlagerisikos auf die Höhe, die Ihrer spezifischen Wunschkombination aus persönlicher Risikotragekapazität und Zielrendite entspricht
  • es ist leichter umzusetzen, einfacher zu überwachen und erfordert weniger Betreuungsaufwand als ein aktiv gemanagtes Portfolio
  • verursacht einmalige und laufende Kosten, die nur etwa ein Viertel eines aktiv gemanagten Vergleichsportfolios betragen
  • erfordert weniger (nämlich im Prinzip gar kein) Startkapital, obwohl Indexing auch von den größten Wirtschaftsunternehmen der Welt angewandt wird
  • verhilft Ihnen aufgrund seiner wissenschaftlichen Begründung zu mehr Seelenfrieden als jeder andere Investmentansatz (was ich persönlich nur aus tiefster Seele bestätigen kann ;-))

Zudem führe man sich die Aussagen von Warren Buffett – dem Orakel von Omaha – in seinem Brief an die Aktionäre von Berkshire Hethaway (2013) vor Augen:

„My advice to the trustee couldn’t be more simple: Put 10% of the cash in short-term government bonds and 90% in a very low-cost S&P 500 index fund. (I suggest Vanguard’s.) I believe the trust’s long-term results from this policy will be superior to those attained by most investors — whether pension funds, institutions or individuals — who employ high-fee managers.“

Und wer sind wir denn, dass wir die Worte des Orakels von Omaha anzweifeln könnten 😉  … (gut, ich probiere mich auch wie er als aktiver Investor, aber ich denke beide Ansätze können zum Erfolg führen und machen vor allem richtig Spass – meistens jedenfalls). Und hier gleich noch eine andere Tatsache:
Nur eine erstaunlich kleine Zahl von Anlegern in Aktien- und Rentenfonds und Anlegern in einzelnen Wertpapieren schlägt ihren Vergleichsindex über Zeiträume von mehr als drei Jahren – insbesondere wenn man Kosten, Steuern und Risiko berücksichtigt.“
Gerade die Orientierung an der längerfristigen Performance ist ein wichtiger Punkt. Immer wieder lese ich in Diskussionsforen oder auf Wikifolio: Toll, habe XX oder XXX% Performance in 2 Monaten erreicht. Mittlerweile neige ich dazu, dies als Kontraindikator für die langfristige Performance eines Investors zu betrachten. 3 stellige Renditen innerhalb von wenigen Wochen oder Monaten zu erreichen geht in aller Regel mit dem Einsatz von großen Hebeln und einer gehörigen Portion Glück einher. Erst jemand der konsistent über Zeiträume von mindestens 3 Jahren gute Ergebnisse vorweisen kann, zeigt tatsächlich seine Eignung als langfristig guter Investor. Wie wir noch sehen werden, gibt es vor allem viele Wissenschaftler, die der Efficient Market Theory folgen und daher grundsätzlich davon ausgehen, dass langfristig niemand den Markt schlagen kann. Ich stimme dem nicht ganz zu, ansonsten könnte ich meine wikifolios schließen… Aber schauen sie doch mal nach ein paar Monaten oder vielleicht nach einem Jahr eines der „high performer“ Wikifolios (Namen sind meist ähnlich) an… Aber nun genug der Abschweifungen.

Vor einigen Jahren – als ich mich im Berufsleben etabliert hatte und eine Vorstellung davon bekam, wie angenehm ein gewisses Polster sein kann und wie viele Dinge man sich trotz gutem Einkommens dann doch nicht leisten kann – stand ich vor der Überlegung, wie man eine gute, sichere und gut rentierliche Altersvorsorge aufbauen kann. Dazu gibt es (in Deutschland) verschiedene Wege, so z.B.:

  1. Gesetzliche Rentenversicherung:
    Als Selbständiger bzw. Freiberufler war ich nicht verpflichtet in die Rentenversicherung einzuzahlen. Nachdem ich vom Angestelltenverhältnis in die Selbständigkeit gewechselt bin habe ich daher auf weitere Einzahlungen in die gesetzt. Rentenversicherung verzichtet. Weder vertraue ich in das umlagefinanzierte System der deutschen Rentenversicherung – ja halte es auch für unfair ggü. Jüngeren – noch möchte ich allein dem Staat mein finanzielles Wohlergehen im Alter überlassen.
    Ich beobachte – wie auch aus vielen Studien zu entnehmen ist – dass sich allzu viele gerade auch Jüngere Menschen viel zu wenig Gedanken um eine ausreichende Altersvorsorge machen und sich fasst ausschließlich auf die gesetzliche Rente verlassen. Aber ein umlagefinanziertes System in Kombination mit einer demographischen Entwicklung ergibt eine explosive Mischung. Bisher haben es die Politiker immer wieder geschafft daran herumzuwerkeln und das Ganze am Laufen zu halten. Doch wie lange geht das noch gut? Auch heute schon muss jeder indirekt über Steuern die er zahlt dieses System mitfinanzieren ob er nun will oder nicht.
  2. Kapitallebensversicherung:
    Dieses geradezu klassische und im Volksgedächtnis der Deutschen als „DAS“ zur Bildung von Kapital verhaftete Instrument hat viele Nachteile und bringt leider eine sehr streng limitierte Rendite mit sich. Damit wollte ich mich nicht zufrieden geben. Zudem stört mich hier, dass die Versicherer und Vermittler Provisionen und Gebühren in Abzug bringen, die leicht die Erträge der ersten Jahre komplett verzehren. Nun hat sich hier in den letzten Jahren vieles in Punkto Transparenz verbessert. D.h. aber nicht, dass dieses Instrument dadurch nun deutlich besser geworden wäre. Das Hauptmanko ist und bleibt die niedrige Rendite und die hohen versteckten Gebühren. Eine tatsächliche Absicherung für den Todesfall – gerade wenn man eine Familie hat – sollte über eine Risiko-LV erfolgen. Dazu kann man den Schutz noch über Unfallversicherungen ausbauen. Aber eine Altersvorsorge sollte ein spezifisches Produkt sein, dass hauptsächlich das Ziel verfolgt langfristig eine möglichst hohe Rendite bei vernünftiger Stabilität (Volatilität) zu gewährleisten. Wie man in der momentanen Niedrigstzinsphase besonders deutlich sieht – kann die KLV das nicht bieten. Dennoch habe ich erst jüngst gehört, dass der Absatz von Lebensversicherungen in letzter Zeit sogar gestiegen sei – aus meiner Sicht eine ziemliche Bankrotterklärung der Anleger. Offensichtlich wissen viele tatsächlich nicht, wie sie ihr Geld besser anlegen sollen… Dagegen möchte ich mit diesem Artikel ein Stück weit etwas tun. Der Hauptkritikpunkt bleibt hier die geringe Flexibilität und die mangelnde Transparenz sowie hohe Gebühren, die irgendwo zwischen Vermittler und Versicherungsunternehmen aufgeteilt werden.
  3. private Altersvorsorge:
    Auch hier gibt es nur sehr geringe Garantieleistungen und auf die Überschussbeteiligungen sollte man als vorsichtiger Sparer nicht übermäßig Wert legen. Zudem gilt auch hier der Punkt, dass man sich stark bindet und sehr unflexibel bzgl. der Höhe und der Aussetzung der Reaten ist. Selbst Stiftung Warentest rät von der privaten Rentenversicherung zumindest als einziges Standbein gerade für junge Leute ab (–> https://www.test.de/Private-Altersvorsorge-Das-richtige-Polster-1219738-2219840/). Auch wenn man zwischendurch ans Ersparte muss (finanzielle Notlagen können immer vorkommen ob nun selbstverschuldet oder nicht) hat man hier schlechte Karten. Dies gilt natürlich ähnlich auch für die Lebensversicherung und sowieso für die gesetzliche Rente. Stiftung Warentest schreibt dazu:
    Schließt ein Kunde eine Rentenversicherung ab, sollte er sicher sein, dass er den Vertrag durchhält. Ein vorzeitiger Ausstieg verhagelt ihm bei allen Anbietern die Rendite, denn Kosten und Stornoabzüge schmälern die Auszahlung. Sehr düster sieht es in der ersten Zeit aus. Die meisten Unternehmen bezahlen Vertretern gleich bei Vertragsbeginn eine Provision, die sie dem Kunden berechnen. Wer nach wenigen Jahren kündigt, bekommt deshalb sehr oft nur einen Bruchteil seiner Beiträge zurück. Bei Rentenversicherungen kommt hinzu, dass auch später maximal die eingezahlten Beiträge ausgezahlt werden, wenn der Kunde kündigt. Ist darüber hinaus Kapital vorhanden, erhält er dies erst am Ende der Ansparphase. Sparer sollten die Beiträge für ihre Rentenversicherung also immer aufbringen. Tatsächlich werden viele Verträge oft in den ersten Jahren gekündigt.

 

Die schlechte Nachricht ist: Leider fördert auch der deutsche Staat die Altersvorsorge über Kapitallebensversicherungen bzw. auch für Rentenversicherungen – nicht aber über individuelle Anlagen wie sie hier beschrieben werden. Diese Förderung gibt es auf verschiedenen Wegen, so z.B. in Form von Riesterrente, Rürup-Rente, Direktversicherung oder Steuervorteilen bei Laufzeiten über 12 Jahren. Wer mehr darüber wissen möchte kann z.B. hier nachlesen. Die US-Amerikaner sind hier natürlich wieder mal weiter als die Deutschen – die nicht umsonst als Aktienmuffel verschrien sind. So gibt es dort u.a. einen 401(k) retirements plan. Damit kann man in eine „Box“ jeden Monat Geld einzahlen. Als Angestellter kann dann der Arbeitgeber noch Zuschüsse einzahlen. Man ist frei in der Wahl der Finanzanlagen in einem solchen Plan, kann also theoretisch auch in Aktien, Anleihen oder Fonds investieren. Allerdings hängt die Auswahl zusammen mit der Wahl des Investmentplans, den die Unternehmen jeweils für ihre Angestellten ausarbeiten. So kann das Anlageuniversum dadurch eingeschränkt werden. Nichtsdestotrotz sieht man, dass man in den USA viel weiter ist als bei uns. Traditionell sehen US Amerikaner eher die (Rendite-)Chancen, wir Deutsche neigen dazu eher das Risiko zu betrachten. Ich sehe allerdings den Verzicht auf langfristige Rendite an sich auch als Risiko an – gerade in Zeiten in denen die EZB dafür sorgt, dass Zinserträge bald ins Reich der Fantasie gehören.
Ich möchte daher in diesem Artikel ein Konzept vorstellen, dass mich in Punkto Altersvorsorge bzw. Vermögensbildung deutlich mehr überzeugt, als die üblichen dargestellten Konstrukte: das diversifizierte Weltportfolio, aufbauend auf Sparplänen auf Indexfonds/ETFs.[/nextpage][nextpage title=“Ziele / Indexing / Asset-Klassen“]

Ziele einer langfristigen Vermögensbildung / Altersvorsorge

Folgende Ziele sehe ich als zentrale Ziele eines langfristigen Vermögensaufbaus – bspw. für die Altersvorsorge – an:

  • planbare, relativ sichere langfristige Rendite und somit Endwert der Anlagen (Mit welchem Kapital kann ich rechnen)
  • geringe Wertschwankungen
  • möglichst geringe Kosten

Soweit sind das wohl klassische Ziele, die sicherlich jeder nachvollziehen kann. Nun möchte ich aber mehr, wie bereits oben erwähnt:

  • jederzeitiger Zugang zum Vermögen
  • volle Flexibilität bei der Höhe sowie der Häufigkeit/Frequenz der Sparraten
  • volle Flexibilität bei den Auszahlungsmodalitäten (einmalige Zahlung, monatliche Auszahlung mit oder ohne Kapitalverlust, jährliche Auszahlung…)

Indexing

Im Gegensatz zum aktiven Anlagemanagement, macht passives Anlagemanagement nicht den Versuch attraktive von unattraktiven, erfolgversprechende von weniger erfolgversprechenden Wertpapieren zu unterscheiden, Wertpapierkurse vorhersagen zu wollen oder den korrekten Einstiegszeitpunkt herauszufinden. Passive Anleger investieren nach dem Buy-and-Hold-Prinzip in ein oder mehrere breite Segmente des Aktien-, Anleihe- und Immobilienmarktes vor allem in Form von Indexfonds, in Form von traditionellen Investmentfonds (nicht für alle Segmente und Indizes gibt es auch entsprechende Indexfonds!) oder ETFs. Die Anlage- und Vermögensbildungsstrategie des Indexing umfasst vier Grundsätze:

  1. radikale Kostenminderung (Minimierung von Managementgebühren und Vermeidung von Transaktionskosten)
  2. „Buy and hold“ (kaufen und halten) statt Spekulieren und kostenträchtiges „Rein und Raus“
  3. „passives“ Investieren mit denkbar simplen Indexing-Produkten und
  4. höchstmögliche Sicherheit relativ zur Zielrendite durch globale Diversifikation

Wie bereits angedeutet, schaffen es die meisten aktiv gemanagten Portfolios bzw. Fonds nicht  – trotz höherer Kosten im Vergleich zum Indexfonds – ihre Benchmark (also ihren Vergleichsindex) zu schlagen. Die Werte z.B. für Fonds in den USA für den Zeitraum Juli 2004 bis Juni 2009 variieren je nach Fondklasse zwischen 63 und 89,7% (Aktienfonds) bzw. sogar bis zu 97,7% (Rentenfonds) – wohlgemerkt ist dies der Anteil der Fonds, die ihren Vergleichsindex NICHT geschlagen haben. Damit kann man sich also getrost die Mühe sparen, einen perfekten aktiv gemanagten Fonds bzw. einige davon zu suchen. Typischerweise wird der Privatanleger, an den sich dieser Artikel richtet, grundsätzlich kaum Zeit haben, eine solche Aufgabe wirklich umfänglich abzudecken, noch bringt es statistisch gesehen viel. Weitere Zahlen belegen nämlich, dass Fonds, die in einem Jahr besonders erfolgreich abgeschnitten haben, innerhalb der nächsten 4 Jahre (also nach insgesamt 5 Jahren) nicht mehr zur Spitzengruppe zählen. Dazu folgende Grafik:

Top_Quartil_Fonds_in_den_Folgejahren
Wie viele Top-Quartil-Fonds (Top 25%) aus Jahr 1 schaffen es, in den nachfolgenden Jahren im Top-Quartil zu bleiben? (Quelle: Souverän Investieren mit Indexfonds und ETF’s)

Kurz zur Interpretation: Nur ca. die Hälfte (12,9% zu 25%) der Top 25% Fonds eines Jahres, konnten im Folgejahr auch wieder unter die Top 25%. Bereits im dritten Jahr ist kaum noch ein Fond in der Gesamtheit der Fonds, der in allen drei Jahren unter den Top 25% war (nämlich nur noch 1,85%). Nach 5 Jahren gibt es keinen Fond mehr, der es schaffte in allen 5 Jahren unter die Top 25% zu kommen. Untersucht wurden  hier von Standard & Poors unterschiedliche Asset-Klassen. Die Zahlen stammen aus der Untersuchung „Does Past Performance Really Matter?“ aus dem Jahre 2010.

Im Gegensatz zur Auswahl von aktiv gemanagten Fonds ist das Vorgehen beim Indexing, selbst beim Aufsetzen eines diversifizierten Portfolios nur mit relativ wenig Aufwand verbunden. Ist das Grundgerüst einmal aufgesetzt, so erfordert nur das Rebalancing (das man jährlich oder auch aller 2 Jahre durchführen kann) ein wenig Aufwand. Dadurch kann das in diesem Artikel vorgestellte Vorgehen auch von Privatanlegern ohne große Vorkenntnisse im Finanzbereich und mit wenig Zeitaufwand leicht nachvollzogen werden. Ich werde in dieser Reihe einen zweiten Artikel veröffentlichen, der sich in einer möglichst einfachen Schritt für Schritt Anleitung mit dem Aufsetzen eines solchen Vermögensbildungsplans beschäftigt. Also keine Angst vor all der komplizierten Theorie, ich werde Ihnen zeigen wie es geht!

Exchange Traded Funds (ETFs)

„ETFs sind Investmentfonds, die an einer Börse gehandelt werden. Sie werden im Normalfall nicht über die emittierende Investmentgesellschaft, sonder über die Börse am Sekundärmarkt erworben und veräußert. Die meisten ETFs sind passiv verwaltete Indexfonds.

ETFs können jederzeit wie z. B. Aktien an der Börse gehandelt werden. Von normalen Investmentfonds, die auch teilweise an der Börse gehandelt werden, unterscheiden sich ETF in den folgenden Punkten:

  • Anleger kaufen und verkaufen ETF im Normalfall nur an der Börse, ein Erwerb über die emittierende Investmentgesellschaft ist nicht vorgesehen.[1]:31
  • Die Zusammensetzung des Sondervermögens wird einmal täglich veröffentlicht.[2]
  • Während bei normalen Investmentfonds nur einmal täglich der Nettoinventarwert (Net Asset Value, NAV) des Sondervermögens veröffentlicht wird, ermittelt und veröffentlicht der Emittent von ETF während des Handelstages fortlaufend einen indikativen Nettoinventarwert (iNAV).[1]:6
  • Für die Schaffung von neuen ETF-Anteilen gibt es einen eigenen Prozess, den sog. Creation/Redemption-Prozess.[1]:6 f.“

(Definition auszugsweise von Wikipedia erreichbar unter folgenden Link)

Asset-Klassen

In diesem Artikel verwende ich oft den Begriff „Asset-Klasse„. Was aber ist eigentlich eine Asset-Klasse?
Eine Asset-Klasse ist eine Gruppe von Assets (investierbaren Vermögenswerten) mit sehr ähnlichen Risiko- und Renditemerkmalen, die weitgehend gleichen mikro- und makroökonomischen Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen ausgesetzt sind. Aktien, wie auch andere Wertpapiere, können in solche Asset-Klassen gruppiert werden. Beispielsweise besitzen alle Bankaktien in Deutschland in langfristiger Betrachtung verblüffend ähnliche Rendite- und Risikomerkmale, das heißt, die Aktienkurse dieser Banken entwickeln sich im Zeitablauf überwiegend parallel und reagieren auf Markteinflüsse (wie zum Beispiel Zinsänderungen) in ähnlicher Weise. Somit könnte man deutsche Bankaktien als eine Asset-Klasse bezeichnen.“ (aus: Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs)

Auf der höchsten Abstraktionsebene kann man folgende Asset-Klassen unterscheiden:

  • Bargeld, risikofreie Anlagen wie z.B. Girokonten, Tagesgeld, Termingeld, Festgeld usw.
  • Aktien
  • Anleihen
  • Immobilien
  • Rohstoffe und Rohstofftermingeschäfte
  • Finanzderivate (Optionen, Zertifikate, professionelle Derivate wie Swaps, Forwards usw.)
  • Kunstgegenstände, Antiquitäten, Oldtimer, Edelweine, Uhren

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Über 90 Prozent der Rendite und 90 Prozent des Risikos (das heißt der Wertschwankungen) eine Aktienportfolios werden von den in ihm enthaltenen Asset-Klassen bestimmt. Weniger als 10 Prozent der Rendite geht auf die innerhalb der einzelnen Asset-Klassen enthaltenen konkreten Wertpapiere zurück.“ (aus: Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs)

 

Für unser Portfolio heißt das also, die Rendite und das Risiko hängen hauptsächlich davon ab, wie wir die Zusammensetzung aus verschiedenen Asset-Klassen wählen. Welche Einzelaktien bzw. Anleihen dann in diesen Anlagen (Indexfonds) vertreten sind, spielt (langfristig) eine untergeordnete Rolle.[/nextpage][nextpage title=“Risiko von Aktien“]

Langfristiges Risiko der Anlage in Aktien und andere Asset-Klassen

Die Deutschen sind ja nun mal erwiesenermaßen Aktienmuffel. Leider verbrennen sie sich dazu noch oft die Finger, wenn sie sich denn schon an den Aktienmarkt wagen, indem sie sich mit den falschen Beratern einlassen (Manfred Krug und seiner Telekom, oder den „diesmal ist alles anders“ Predigern des neuen Marktes) und sind dann auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Ganz grundsätzlich herrscht dabei in Deutschland und Europa eine furchtbare Mischung aus Verteufeln der Anlage in Aktien, einer Bevormundung von Privatanlegern durch deutsche und Brüssler Bürokraten – die ja mittlerweile aus lauter Daseinsberechtigungsangst alle vor allem beschützen wollen – und einer Förderung veralteter / ungünstiger Instrumente, die wohl eher auf die gute Lobby der Versicherungsbranche und Finanzdienstleister zurück geht, als auf den Willen der eigenen Bevölkerung etwas Gutes zu tun und diese vor Schlechtem zu bewahren. Unsere Bürokraten in Europa müssen sich ja tagtäglich – quasi als Existenzberechtigung – neue Vorschriften und Einschränkungen einfallen lassen um uns arme, naive, unmündige Bürger vor etwas zu schützen. Wobei wir die Schutzbedarf meist vor Bekanntwerden der Regelung gar nicht bemerkt hatten! Die zusätzlich einseitig negative Presse über „Bankster“, „Heuschrecken“ und ach so böse „Hedgefonds“ vermiest dann auch fasst dem letzten Optimisten den Gang zur Börse und so legt (fasst) jeder sein Geld brav im Bausparer oder in der Kapital-LV an und läßt sich langfristig die Chance zur renditestarken Vermögensbildung nehmen.

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Das langfristige Risiko – und das ist meine feste Überzeugung – besteht darin, NICHT in Aktien- bzw. Indexfonds zu investieren. Ich werde Ihnen zeigen, auf wie viel Geld sie verzichten, wenn sie wie viele einen großen Bogen um die Aktienmärkte machen.
Aus einem Artikel den Warren Buffett für das Fortune Magazine geschrieben hat, stammt diese Abbildung:

 

Das "Schicksal" von 100 USD angelegt in 1965 in verschiedene Assetklassen (Quelle: Fortunes Magazine, Februar Ausgabe 2012)
Das „Schicksal“ von 100 USD angelegt in 1965 in verschiedene Asset-Klassen (Quelle: Fortunes Magazine, Februar Ausgabe 2012)

T-Bills sind eine Form von amerikanischen kurzlaufenden Staatsanleihen.
Wieder aus dem Buch „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs: Wie Privatanleger das Spiel gegen die Finanzbranche gewinnen“ stammt folgende Übersicht über die Rendite verschiedener Anlageformen und dem zugehörigen Risiko. Das Weltportfolio und seine Zusammensetzung wird in diesem Buch näher beschrieben und ich werde darauf näher im zweiten Teil dieser Artikelserie eingehen. Hauptsächlich setzt es sich aus global diversifizierten Aktienanlagen sowie Rohstofffutures zusammen und kann mit einem beliebigen Anteil „risikofreier Anlagen“ kombiniert werden um den Rendite/Risikomix in die jeweils präferierte Richtung zu ändern. Wie man sieht, vermindert das Weltportfolio und noch mehr das WPF in Kombination mit einer risikofreien Anlage das Verlustrisiko erheblich und zeitig dennoch zwischen den verglichenen Anlagen die höchsten Renditen. Der max. kumulierte Verlust (maximum drawdown) beschreibt den maximal aufgetretenen Verlust zwischen einem erreichten Hoch und dem nächsten Tiefststand (in Klammern dazu das Jahr, in dem dies auftrat). Der Vermögenswert gibt an, was aus 1 Euro Anlagebetrag geworden wäre.

historische_Renditen
Vergleich der realen (inflationsbereinigten) historischen Renditen des Weltportfolios und einiger Anlagen von 1975 bis 2010 (36 Jahre)

Ich denke, die Übersicht spricht eine klare Sprache. Selbst bei Berücksichtigung des geringeren Risikos sind Festgeld, Sparbuch und selbst Staatsanleihen sehr, sehr weit abgeschlagen im Ergebnis.
Ich habe dazu auch eine sehr interessante Studie von Allianz Global Investors gefunden. Zur Illustration habe ich mir erlaubt einige Grafiken aus dieser Studie hier zu verwenden. Wer interessiert ist, kann die Studie hier anschauen. Zudem hat Hans-Jörg Naumer die Studie auch bei DaF im Video vorgestellt.

Wie im nächsten Bild ersichtlich, zeigen Aktien im 1 Jahreszeitraum eine hohe maximale historische Rendite von bis zu 66,6% (gemessen am S&P 500, Total Return, also unter Einbeziehung von Dividenden). Dies muss man allerdings durch ein hohes Verlustrisiko von bis zu 38% erkaufen, wenn man nur mit einem 1 Jahreshorizont investiert. Betrachtet man also nur die 1 Jahresperiode, käme man zu dem Schluss, dass Aktien tatsächlich die riskanteste Geldanlage im Vergleich zu Anleihen und Festgeld sind.

Schwankungsbreiten_traditioneller_Anlageklassen
Quelle: Aktie – die „neue Sicherheit“ im Depot? (Allianz Global Investors, 2014)

 

Nun geht es in diesem Artikel aber um die langfristige Vermögensbildung. Unter langfristig verstehe ich hier einen Zeitraum, der typischerweise für folgende Zwecke geeignet ist und sich auf 5 bis 30 oder mehr Jahre beläuft:

  1. Altersvorsorge
  2. Vermögen für die Ausbildung der Kinder (im weitesten Sinne, also Unterstützung für Schulbesuche, Ausbildung, Auslandsaufenthalte…)
  3. Kauf eines großen Vermögensgegenstandes wie z.B. ein Haus, ein Boot oder vielleicht ein Pferd 😉
  4. denken Sie sich etwas schönes aus, von dem Sie glauben es sich nie leisten zu können…

Wichtig ist – auch das kann man der Grafik entnehmen – dass man für einen maßgeblichen Anteil von Aktien-Indexfonds im Gesamtdepot (wir werden im zweiten Teil noch näher darauf eingehen, wie man die Zusammenstellung wählt) einen Zeitraum von mindestens 5 Jahren wählt. Bei 5 Jahren Laufzeit gleicht sich das Risiko von Anleihen und Aktienanlagen in etwa an, um nach 10 Jahren auf einen schon sehr niedrigen Wert zu fallen. Nach 10 Jahren hatten sie historisch gesehen ein maximales Verlustrisiko von 3,96% für die Aktien des S&P 500 und 5,36% für Anleihen.

Allgemein könnte man den Zusammenhang von Risiko und Rendite folgendermaßen darstellen. Über die Position der einzelnen Asset-Klassen kann man sicherlich diskutieren, aber tendenziell kann man die Einordnung so vornehmen (ähnlich Abbildung 1 aus „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“)

Rendite_und_Wertschwankungsrisiko
Rendite und Risikozusammenhang verschiedener Asset-Klassen

 

Um nun unser langfristig erfolgreiches Portfolio zu erstellen, dass einerseits die höheren Renditeerwartungen von z.B. Rohstoffen oder Aktien nutzen soll, andererseits aber kein allzu großes Risiko für uns beinhaltet (denn das liefe ja unserem 2. Ziel – geringe Wertschwankungen entgegen), wollen wir also die Wertschwankungen des Gesamtportfolios geringer halten, als die erwarteten Wertschwankungen einzelner Asset-Klassen. Dazu müssen wir uns mit dem Konzept der Diversifizierung beschäftigen (was wir auf der nächsten Seite tun). Die Auswirkungen konnten wir schon in der Abbildung zu den realen historischen Renditen betrachten.

Reversion to the mean – Regression zum Mittelwert

Die Regression zum Mittelwert ist in allen Asset-Klassen zu beobachten und sagt aus, dass sich die Renditen von Anlagen längerfristig immer an den langfristigen Mittelwert der spezifischen zugehörigen Asset-Klasse annähern. Auf Zeiten hoher Kursgewinne am Aktien- bzw. Anleihemarkt folgen also mit hoher Wahrscheinlichkeit Zeiten mit niedrigen bzw. negativen Renditen, sodass sich die Renditen längerfristig wieder an den langfristigen Mittelwert angleichen. Leider ist das Ganze natürlich nicht exakt vorhersehbar – ein Markt (also eine Asset-Klasse) der schon 50% gestiegen ist, kann auch nochmal 50% steigen, bevor die Regression zum Mittelwert zuschlägt und die Gewinne zum großen Teil wieder ausradiert. So ist es z.B. interessant, dass im DAX oder S&P 500 in rund 70% aller Fälle in der Jahresbetrachtung eine Regression zum Mittelwert stattfindet, indem

(a) auf ein Jahr mit überdurchschnittlichen Renditen, ein Jahr mit unterdurchschnittlichen Renditen folgt bzw.
(b) auf ein Jahr mit unterdurchschnittlichen Renditen, ein Jahr mit überdurchschnittlichen Renditen folgt.

Dies bedeutet auch, dass sich längerfristig das Risiko von Anlagen in Akien und andere Asset-Klassen verringert – wie schon weiter oben festgestellt, da statistisch gesehen auf „schlechte“ Zeiten wieder „gute“ Zeiten folgen, sodass die langfristige Durchschnittsrendite wieder erreicht wird. Dazu noch zwei Hinweise: Da es sich hier um statistische Größen und Effekte handelt, geht es nicht um 100% – ige Voraussagen, sondern um die Wahrscheinlichkeiten des Eintritts einer Erwartung; je länger man aber die Zeiträume wählt umso höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass der Effekt eintritt. Zudem geht es hier auch immer um die Anlage in Aktien (bspw. eines Index oder einer Region) in Gesamtheit. D.h. diese Betrachtungen können NICHT auf die Anlage in einzelnen Aktien oder Anleihen übertragen werden. Das Risiko (und die Rendite) bei Anlage in Einzelaktien/Anleihen/Immobilien/Rohstoffe können natürlich viel größer sein und z.B. ein Konkurs, der bei einer Einzelaktie u.U. den Totalverlust bedeutet; macht bei Anlage in einen Index zum einen nur ein Bruchteil der Gesamtanlage aus. Zudem wird er in der Praxis wahrscheinlich selten vorkommen zumindest in den größeren Indizes wie DAX oder Dow Jones weil die Indexzusammensetzung sich abhängig von Kriterien wie z.B. Marktkapitalisierung ändert und somit „Wackelkandidaten“ in Schwierigkeiten aufgrund ihres gesunkenen Marktwertes i.d.R schon vor einem möglichen Konkurs nicht mehr im Index vertreten sein dürften.[/nextpage][nextpage title=“Diversifizierung und Rebalancing“]

Diversifizierung

Ziel der Diversifizierung ist die Senkung der Rendite- und Wertschwankungen eines Portfolios. Dies dient direkt dem Ziel „Geringe Wertschwankungen“. Die Verminderung der Wertschwankungen kann erreicht werden, indem wir im Portfolio Assets mit einer Korrelation kleiner als 1 und optimaler-weise kleiner als 0 verwenden.

Korrelation, Korrelationskoeffizient

Eine Kennzahl aus der Statistik, die den Grad der Parallelität der Entwicklung zweier Größen (Zufallsvariablen) misst, zum Beispiel der Kursveränderungen zweier Aktien oder allgemeiner gesagt zwischen Assets verschiedener Asset-Klassen und/oder Regionen. Die Korrelation wird gemessen in Form des Korrelationskoeffizienten, der zwischen +1 und -1 liegen kann. 1 steht für vollständige Korrelation (exakte Parallelentwicklung), 0 steht für vollständig unabhängige Entwicklung  (allenfalls zufällige Parallelentwicklung) und -1 steht für exakt gegenläufige Entwicklung.
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Je niedriger die Korrelation zwischen den Renditen zweier Finanz-Assets, desto besser eignen sie sich zur Diversifizierung (und damit Stabilisierung) in einem Portfolio. Genauso wie Renditen schwanken auch Korrelationen im Zeitablauf, aber weit weniger heftig. (Definition ähnlich zu „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“).

 

 

Um nun sein Portfolio möglichst gegen Schwankungen abzusichern, sollte man also versuchen Asset-Klassen zu kombinieren, deren Renditen eine geringe Korrelation aufweisen. Theoretisch wäre eine Korrelation von -1 optimal, da so die Schwankungen von Kursen unterschiedlicher Assets ausgeglichen werden können. Allerdings stellt sich dann die Frage, wie genau sich das auf die erwartete langfristige Rendite auswirkt. Die Aufgabe, die es zu lösen gilt ist ja eine Optimierung in zwei Dimensionen – einerseits wollen wir das Wertschwankungsrisiko des Gesamtportfolios verringern. Andererseits wollen wir aber auch ein möglichst hohe Rendite erzielen und eine stark negative Korrelation würde die Rendite zu sehr verringern. Wir wollen also bei verringertem Risiko möglichst hohe Renditen erzielen. In der Praxis ist aber die Diskussion um die Auswirkungen von negativen Korrelationen bis hin zu -1, die theoretisch geführt wird – meiner Meinung nach – ohne Belang. Korrelationen unter -0,1 sind in der Praxis höchst selten. Aber schon eine Korrelation von 0,7 oder 0,6 kann das Gesamtrisiko des Portfolios deutlich senken. Anbei finden Sie die Korrelationsmatrix meines eigenen diversifizierten Portfolios (wie man ein solches Portfolio aufbaut, werde ich im zweiten Teil dieser Beitragsreihe darstellen oder Sie werfen schon mal einen Blick auf mein wikifolio: „ESCON – Vermögensaufbau Chance„).

 

Korrelationsmatrix_Div_Weltportfolio

 

Wie man sieht, sind die Korrelationen zumeist positiv und und nur in wenigen Fällen negativ. Aber selbst hier erreichen wir keinen Wert, der kleiner als -0,08 ist. Dennoch ergibt sich durch die Kombination dieser Anlagen ein deutlich verringertes Gesamtrisiko. Man geht für Aktien davon aus, dass ca. 60% des Wertschwankungsrisikos unternehmensspezifische bzw. Asset-Klassen-spezifische  Ursachen hat, also vom unternehmerischen Erfolg und dem allgemeinen Zustand eines Sektors abhängen. Ca.40% des Risikos sind nicht systematisch und betreffen den Aktienmarkt als Ganzes (z.B. in Boomphasen wie der Draghi-Blase oder Crashphasen wie in 2000 – 2003 oder 2008/2009).

Beispiel

In der folgenden Grafik habe ich ein diversifiziertes Simulationsportfolio (d.h. in Kombination mit sicherer Anlage) aufgesetzt. Es basiert auf einer Portfoliozusammensetzung, die ich auch persönlich seit vielen Jahren verwende. Ich habe hier bewußt eine Stressperiode herausgesucht, indem ich das Portfolio am 1.1.2008 (auf dem Höhepunkt der Kurse vor dem Einsetzen der Finanzkrise) starten lasse und nur am Anfang einen Einmalbetrag anlege. Basierend auf der Zielzusammensetzung wird ein jährliches Rebalancing vorgenommen. Dabei wird die Zusammensetzung, die sich durch unterschiedliche Kursverläufe im Laufe einen Jahres ergibt, wieder an die Soll-Zusammensetzung angeglichen. In der Simulation (Backtesting) habe ich dabei für jede Transaktion Gebühren von 0,5% bzw. mindestens EUR 5 angenommen um tatsächliche Netto-Renditen darzustellen. Im Vergleich dazu sind die Index-Entwicklungen natürlich Bruttorenditen. Nicht berücksichtigt sind Steuern.

 simulation_escon_vermögen_offensiv_rebalancing

Im Chart kann man folgendes gut erkennen:

  • der Verlust des diversifizierten Portfolios beträgt im Maximum ca. 40%, gegenüber ca. 48% im Vergleichsindex (STOXX Global Total Markets). Den Chart zum DAX habe ich nur zur Information eingefügt, er ist natürlich keine korrekte Benchmark für ein weltweit diversifiziertes Portfolio
  • weiterhin fällt auf, dass die Erholung nach der Krise deutlich schneller passiert als beim Vergleichsindex- durch die stabilisierende Wirkung von anteilig gehaltenen Staatsanleihen und Immobilienfonds, verhält sich das Portfolio in Krisenzeiten deutlich stabiler – der Vergleichsindex benötigt ganze 5 Jahre um wieder mit dem diversifizierten Portfolio gleichzuziehen
  • zudem: hätte man auf dem Höhepunkt der Kurse direkt vor Ausbruch der Krise einmal Geld in dieses Portfolio angelegt, so hätte man heute eine Rendite von 17,2% erreicht, was natürlich über die Jahre gesehen sehr wenig ist (entspricht einer jährlichen Rendite von 2,68%) – das Ganze aber im absoluten Worst-Case-Szenario, nämlich einer Anlage direkt vor einem Crash am Aktienmarkt
  • der Vergleichsindex benötigt von Anfang 2008 bis Ende 2014 um wieder das Niveau des diversifizierten Weltportfolios zu erreichen, das Schwankungsrisiko ist deutlich geringer als bei einer reinen Anlage in (weltweite) Aktien
  • das sieht man auch gut im Kurseinbruch in der zweiten Hälfte von 2011
  • der DAX zeigt sich in dem dargestellten Zeitraum in einer deutlichen Überrendite zum weltweiten Aktienmarkt – langfristig wird sich die Rendite auch hier wieder angleichen, momentan erleben wir ja dank der EZB die Draghi Blase (siehe dazu auch oben der Vergleich historischer Renditen)[/nextpage][nextpage title=“Rebalancing / Cost Average“]

Rebalancing

Rebalancing ist die Umschichtung von Geldanlagen zur Wiederherstellung der gewünschten Verteilung von Assets in einem Portfolio. Durch die unterschiedliche Kursentwicklung der Assets die in einem Portfolio gehalten werden, weicht die reale Verteilung mit der Zeit von der gewünschten Zielverteilung ab. Mittels eines regelmäßigen Rebalancings (z.B. jährlich) wird die gewünschte Zusammenstellung wieder hergestellt. Dabei werden Assets (i.d.R. Fondsanteile) die sich besser entwickelt haben anteilsmäßig reduziert und Assets, die sich schlechter entwickelt haben gekauft. Dies macht z.B. wegen der Regression zum Mittelwert der Renditen Sinn, die ja besagt, dass langfristig Renditen ihrem Durchschnitt entgegenstreben. Hat sich also ein bestimmter Fonds besonders gut entwickelt, so wird beim Rebalancing der Anteil reduziert – es ist ja auch wahrscheinlich, dass er sich in Zukunft schlechter entwickeln wird.
Beim Rebalancing gibt es ein paar Punkte zu beachten:

  • da in der Regel Assets mit Kursgewinnen verkauft werden (es sei denn, dass Portfolio hat sich extrem schlecht entwickelt und alle Assets liegen im Minus) wird bei z.B. jährlichem Rebalancing die Abgeltungssteuer auf die verkauften Anteile fällig – dass sollte natürlich möglichst vermieden werden, da jeder Betrag, der zwischendurch an Steuer gezahlt wird, für die Verzinsung und den Zinseszins fehlt; über lange Zeiträume können da gewaltige Summen zusammen kommen
  • zudem verursacht Rebalancing natürlich auch Transaktionskosten für Kauf und Verkauf bei der jeweiligen Depotbank – je kleiner der angelegte Betrag, desto mehr fällt das ins Gewicht, da es oft Grundgebühren gibt, die eine Order mit überschaubaren Kosten erst ab 1000 oder 2000 Euro ermöglichen. Im jährlichen Rebalancing kommt man aber oft auf (theoretische) Orders von 100 Euro oder sogar weniger.  Daher muss man sich dann rein praktisch Untergrenzen für das Rebalancing setzen. Legt man bspw. 10.000 Euro an, so machen 100 Euro 1 Prozent des Wertanteils aus und die Abweichungen sind eventuell in einem Bereich, den man für 2 oder 3 Jahre hinnehmen kann. Orders für 100 Euro kann man durch die anfallenden  Transaktionskosten ohne eine zu hohe Kapitalvernichtung nicht sinnvoll ausführen. Daher gibt es für ein sinnvolles Rebalancing Untergrenzen. Hier muss man dann dementsprechend etwas gröber vorgehen und die Abweichung von der Zielverteilung gg. die Transaktionskosten abwägen.

Die bei Weitem eleganteste Lösung zum Rebalancing ist der Ausgleich durch zusätzliches Kapital, da sie die oben genannten Punkte bzgl. der Steuern und der Transaktionskosten eliminiert bzw. reduziert. Dabei wird die Einzahlung für zu gering gewichtete Assets erhöht und für zu hoch gewichtete Assets verringert bzw. ausgesetzt. Dies erfordert natürlich eine regelmäßige Ansparung. Daher ist für den Aufbau einen diversifizierten Portfolios die Anlage von z.B. monatlichen Raten oder auch jährlichen Raten der Königsweg, mit dem man auch noch den Cost-Averaging Effekt ausnutzen kann und Transaktionskosten bzw. Steuern beim Rebalancing verringern oder ausschließen kann.

Vergleich identischer Portfolios mit und ohne Rebalancing am Ende jedes Jahres
Vergleich identischer Portfolios mit und ohne Rebalancing am Ende jedes Jahres

Wieder nehmen wir an, dass eine bestimmte Summe (z.B. 100.000 Euro) am 2.1.2008 auf bzw. nahe am Höchststand der Kurse vor dem Ausbrechen der Finanzkrise angelegt wurde (als worst case Szenario!). An diesem Chart kann man erkennen, dass das erste Rebalancing Ende 2008 statt fand. Dort wurde dann aufgrund der stark gefallenen Aktienkurse der Anteil der jeweilig am stärksten gefallenen Indexfonds erhöht (da diese nun einen zu geringen Anteil hatten). In der Folge führte das in der Erholung zu einer deutlich besseren Rendite als beim Portfolio, dass im Zeitablauf völlig unverändert blieb. Ich habe in der Simulation auch Transaktionskosten, allerdings keine Steuerzahlungen berücksichtigt.

Cost-Average

Definition Cost-Average Effekt

Der Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt) beschreibt die Folge der Verteilung einer Investition in eine Anlage über einen längeren Zeitraum. In diesem Fall werden bei fallenden Kursen mehr Anteile und bei steigenden Kursen weniger Anteile erworben, so dass die Anteile zu einem Durchschnittspreis erworben werden, der zwar über dem günstigsten Preis der Betrachtungsperiode, aber auch unter dem ungünstigsten Preis liegt. Dadurch wird das Problem des richtigen Einstiegszeitpunktes (Timing) auf einen Zeitraum ausgedehnt, wodurch zwar die Folgen von Timing-Fehlern verringert, aber auch gleichzeitig Vorteile des richtigen Timings verspielt werden. Damit bewegt sich der Ertrag der Investition zwischen dem einer Einmalinvestititon zum günstigsten bzw. zum ungünstigsten Einstiegszeitpunkt.“ (Definition nach FAZ Börsenlexikon).

Den Cost-Average-Effekt können sie nur bei kontinuierlicher Ansparung erreichen, denn er setzt ja eine Reihe von Investitionen über einen Zeitablauf voraus bspw. monatliche Zahlungen. Durch den Cost-Average Effekt können sie Kursrückgänge nun quasi genießen – zumindest wenn ihr gewünschtes Auszahlungsdatum bzw. der Zeitpunkt zu dem sie ihr  Vermögen angespart haben wollen noch weit in der Zukunft liegt. Der Cost-Average Effekt führt dazu, dass sie in Krisenzeiten besonders viel (nämlich viele Fondsanteile) für ihre feste monatliche (oder welchen Zeitraum sie auch gewählt haben) Rate bekommen. In Zeiten, in denen die Kurse sehr hoch sind, werden Sie für ihre regelmäßige Ansparsumme wenig Anteile kaufen. Der cost-average-effekt führt hauptsächlich dazu, dass der Zeitpunkt zum Start einer regelmäßigen Ansparung relativ egal ist (am besten also sofort sparen!), denn am Ende werden Sie immer zu einem relativ günstigem Durchschnittskurs gekauft haben.[/nextpage][nextpage title=“Diversifiziertes Weltportfolio“]

Diversifiziertes Weltportfolio

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Aufbauend auf der Methode des Indexing und der Diversifizierung, ist meine Empfehlung für eine langfristige Vermögensbildung die Einrichtung eines diversifizierten Weltportfolios kosteneffizient durch die Verwendung von Indexfonds und ETFs.

 

 

Andere Methoden des Vermögensaufbaus bzw. der Altersvorsorge haben auch ihre Berechtigung, da ich allerdings kein ausgewiesener Experte dafür bin, verweise ich auf einschlägige Seiten im Internet bzw. den Bank-/Vermögensberater ihres Vertrauens ;-). Eine gute Übersicht habe ich z.B. bei Stiftung Warentest gefunden (–> Private Altersvorsorge: Das richtige Polster).
Ich bin aber persönlich davon überzeugt, dass bei einer sehr guten Aussicht auf ordentliche Renditen und einem kalkulierbaren Risiko sowie einer einzigartigen Flexibilität das Ansparen in ein diversifiziertes Weltportfolio mit bspw. monatlichen Raten die beste Anlageform ist. Wie schon mehrfach erwähnt werde ich im zweiten Teil in dieser Reihe darstellen, wie man ein solches Portfolio nun praktisch zusammen stellt und einrichtet.

Anschaulich habe ich das für die Simulationen oben verwendete Portfolio bei wikifolio als „ESCON – Vermögensaufbau Chance“ veröffentlicht. Es entspricht auch in wesentlichen Teilen dem Portfolio, dass ich selbst seit vielen Jahren bespare. Dort kann man sich die Zusammensetzung (aktuell lt. Rebalancing Ende 2014) anschauen. Mittels eines wikifolios kann man den Aspekt der Transaktionskosten und der Abgeltungssteuer umgehen, da Umschichtungen innherhalb des wikifolios sowohl Transaktionskostenfrei (lediglich der Bid/Ask Spread kommt zum tragen) als auch steuerfrei sind. Steuern sind erst bei Verkauf der Anteile an einem Wikifolio zu zahlen. Dabei sollte man sich aber immer der Tatsache bewußt sein, dass es sich juristisch um ein Zertifikat (also eine Schuldverschreibung) der Lang&Schwarz Aktiengesellschaft handelt und somit kein Sondervermögen darstellt (wie bspw. ein Fonds). Dies gilt entsprechend bei allen Zertifikaten. Zudem werden von wikifolio 0,95% Zertifikategebühr (p.a.) und eine Performancegebühr erhoben, die ich auf das Minimum von 5% gesetzt habe. D.h. auf die Kursgewinne in Form von neuen Höchstständen (High Watermark) werden 5% als Performancegebühr einbehalten.

Dynamisierung

Je nach Wunsch, Verfügbarkeit von Einkommen und Zielvermögen kann man jederzeit die Höhe der Einzahlungen verändern oder diese komplett stoppen. Dies ist ein Aspekt, der mir an dieser Form der Vermögensbildung sehr gut gefällt. Ich habe es mir zur Gewohnheit gemacht beim jährlichen Rebalancing die Einzahlungen insgesamt mit 3% zu dynamisieren (also diese jährlich um 3% zu erhöhen). Da ich sowieso alle Sparpläne anfasse, kann ich auch gleich diese Erhöhung mit einkalkulieren).

Vorteile

  • Wie wir im zweiten Teil sehen werden, ist die Einrichtung und Abstimmung leichter als man bei Lektüre meines am Ende viel zu umfangreichen Artikels denken könnte 😉
  • Jederzeitige Verfügbarkeit des Vermögens im Krisenfall ohne besondere Abzüge (außer den Transaktionskosten)
  • Kein Zwang zur Zahlung der Beiträge, man kann auch einfach aufhören oder die Höhe der Einzahlungen verändern
  • Vermeidung der Zahlung von Provisionen an Finanzmakler und Versicherungen, die am Ende die Kapitalbildung enorm belasten

Nachteile

  • Kein Zwang zur Zahlung, man kann auch einfach aufhören (Disziplin ist gefragt!)
  • Keine staatliche Förderung
  • Steuern müssen bei Verkauf der Anteile bzw. bei Ausschüttungen gezahlt werden, momentan gibt es hier keine Steuervergünstigungen
  • durch die hohe Flexibilität könnte man versucht sein, beim Rebalancing oder zwischendurch die Zusammensetzung zugunsten höherer Risiken/Renditen zu verändern
  • die Barriere zum „Verkauf“ und der Wandlung in Bargeld ist deutlich niedriger als bspw. bei einer Kapital LV oder Rentenversicherung

Zeitaufwand

Nachdem man für den Start mit einem Zeitaufwand von ca. 2 bis 4 Wochen rechnen muss (inklusive Eröffnung von Depots bei der Bank ihrer Wahl, Einrichtung von Sparplänen, Auswahl der Ziele und entsprechende Berechnungen sowie Aufteilung innerhalb des Portfolios) hält sich der Wartungsaufwand in sehr engen Grenzen. Eine der kleinen jährlichen Pflichten ist die Bereitstellung der Depotauszüge an ihren Steuerberater bzw. die Verwendung dieser, falls sie das ganze selbst erledigen. Für das Rebalancing nehmen Sie sich am besten mal 1/2 Tag pro Jahr (es können auch mal 2 Jahre sein) Zeit, um die notwendigen Orders zu erstellen bzw. die Anpassungen der Sparverträge und das Ganze an die Bank zu senden.

Fazit

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Zu guter Letzt hoffe ich, dass ich mit diesem Artikel ihr Interesse an mehr Eigenverantwortung für den Vermögensaufbau geweckt habe. Zudem hoffe ich, dass meine Ausführungen dazu beitragen, Ihnen die Angst bzw. den Respekt vor einer eigenen Lösung dazu zu nehmen. Entscheiden Sie selbst über ihr zukünftiges finanzielles Wohlergehen, nehmen Sie die Aufgabe selbst in die Hand und profitieren Sie von den langfristig deutlich höheren Renditen! Es ist gar nicht so schwer.

 

Für Fragen, Kommentare und Anmerkungen bin ich jederzeit offen. Nutzen Sie einfach die Kommentarfunktion.

–> Und werfen Sie doch mal einen Blick auf mein wikifolio dazu: „ESCON – Vermögensaufbau Chance„.

Anmerkung (23.03.15): Ich habe zu diesem Thema auf dem Börsentag in München mit Markus Jordan (dem Herausgeber des „EXtra Magazins„) ausführlich gesprochen. Dabei ging es hauptsächlich um –> Easyfolio – dass sind 3 passiv gemanagte Dachfonds, die in etwa die hier vorgestellt Strategie als Fonds anbieten. Auch dies ist eine Möglichkeit – als Alternative zu der manuellen Lösung, die ich im nächsten Artikel dieser Reihe vorstellen werde – in ein solches Weltportolfio zu investieren.

Durchaus kritisch hat sich der Blogger „Finanzwesir“ mit Dachfonds zu diesem Thema auseinander gesetzt. Dennoch gibt er damit einige praktische Hinweise, worauf man achten sollte, wenn man sich nicht die Arbeit machen möchte, alles manuell selbst zu steuern: Daher auch sehr lesenswert ist sein Artikel: http://www.finanzwesir.com/blog/vaamo-easyfolio?ref=sidebar.

Anmerkung in eigener Sache zum mehrfach genannten Buch

An das Ende dieses Artikels möchte ich noch eine Warnung setzen. Das Buch, auf dass sich die hier vorgestellte Art des Vermögensaufbaus bezieht, verfechtet in fasst schon inquisitorischer Manier die Efficient Market Hypothesis bzw. Efficient Market Theorie. Da diese im Prinzip aussagt, dass ein aktives Stockpicking keinen Sinn macht, da alle Informationen (informationseffizienter Markt) bereits in dem Kurs einer jeglichen Aktie bzw. Anleihe eingeflossen sind. Wissenschaftlich korrekt ausgedrückt besagt sie, dass der aktuelle Preis einer Aktie der beste Schätzwert für den tatsächlichen fairen Wert ist. Sie besagt auch, dass es langfristig nicht möglich ist, die Performance eines Marktes bzw. Vergleichsindex zu schlagen. Es gibt immer eine Gruppe die über einen gewissen Zeitraum den Markt schlägt. Aber auf Dauer – so die Schlussfolgerung aus der EMT – setzt sich diese Gruppe immer aus unterschiedlichen Marktteilnehmern zusammen. Die Erfolge von z.B. Warren Buffett wären demnach einfach ein auf verschwindend kleiner Wahrscheinlichkeit basierender „Ausrutscher“ – pures Glück also. Dem kann ich mich nicht anschließen und ich glaube auch, dass es Bereiche gibt, in denen die EMT keine Gültigkeit hat. Ich glaube allerdings, dass es schon viele Bereiche gibt, in denen es auf Dauer schwierig oder fasst unmöglich ist, den Markt anhaltend zu schlagen, da hier so etwas wie ein effizienter Markt vorherrscht. Da sich die Wissenschaftler seit mehreren Jahrzehnten streiten, zu welchem Grad welcher Markt „effizient“ ist, möchte ich darüber nicht spekulieren.

Unabhängig davon ist es aber hinreichend durch empirische Studien belegt, dass über 90% der Marktteilnehmer langfristig nicht den Markt schlagen. Und dass ist für mich das Hauptargument, sein Vermögen mit dem „Diversifizierten Weltportfolio“ aufzubauen. Wenn man dazu noch regelmäßige Einzahlungen im Rahmen eines Sparvertrages verwendet und den Cost-Average Effekt ausnutzt, dann halte ich dieses Vorgehen auch für die Altersvorsorge für den besten Weg sicher die Ziele eines langfristigen Vermögensaufbaus zu erreichen.

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5 Gedanken zu “Sparen und Altersvorsorge mit ETF-Fondsparplänen – Grundlagen

  1. Ein sehr informativer Artikel mit ganz wichtigen Informationen. Letztendlich gibt es die verschiedensten Möglichkeiten, die man für eine Altersvorsorge nutzen kann. Diese sollte man sich einfach genau anschauen udn vergleichen. Am Ende findet jeder eine passende Alternative, auf die zurückgegriffen wird.

  2. Hallo Thomas,

    Danke für deinen Kommentar. Ich arbeite gerade am zweiten Teil, in dem ich konkret in einer Schritt-für-Schritt Anleitung beschreibe, wie man eine mit Hilfe von Fondssparplänen Kapital ansparen kann und wie man das Portfolio zusammen stellen kann. Ich hoffe bis nächste Woche den Artikel online stellen zu können.

    Beste Grüße
    Frank

  3. Aus meiner Sicht muss man sich mit ETF-Fondsparplänen äußerst genau auseinandersetzen und ein Laie sollte sich hier professionelle Unterstützung suchen. Im Gegensatz zu vielen anderen Finanzprodukten sind ETF-Fondsparpläne nicht so einfach zu durchschauen.

  4. Hallo Maik,

    in der Tat gibt es da viele Dinge zu beachten. Persönlich arbeite ich schon seit vielen Jahren mit ETF-Fondsparplänen. Leider ist es relativ schwierig die Gebührenmodelle der Anbieter zu verstehen. Da ich monatlich Beträge in verschiedene Fondsparpläne investiere, ist es wichtig neben den Fonds an sich auch auf die Gebühren beim Kauf von Anteilen zu achten. Teilweise erfolgen Käufe ohne Gebühren, teilweise kommen aber auch Beträge von einigen Euro zusammen. Gerade wenn man kleinere Beträge anlegt (z.B.. 40 Euro/Monat in einen bestimmten ETF) und zahlt 3 Euro Gebühren für den Kauf, ist das eine extreme Belastung im Vergleich zu angelegten Summe.
    Hier gibt es verschiedene Strategien:
    So kann man z.B. die Einzahlungen so aufteilen, dass man in die einzelnen ETFs nur 3-monatlich einzahlt und sich somit der Betrag pro Kauf im Vergleich zur monatlichen Anlage verdreifacht. Entsprechend kann man das mit anderen ETFs auch so takten, dass Anteile jeweils in verschiedenen Monaten gekauft werden. Somit bleibt die monatliche Anlagesumme gleich, es wird aber jeden Monat ein anderer ETF gekauft.
    Zudem sollte man sich immer nach günstigen Anbietern umschauen, die ETF-Fondsparpläne ohne Gebühren beim Kauf anbieten. Aber auch dies ändert sich im Zeitablauf.

    Es gilt also immer am Ball zu bleiben. Persönlich steht bei mir immer zum Jahresende ein Rebalancing an. Bei der Gelegenheit werden auch die aktuellen Konditionen geprüft und eventuell werden entsprechende Anpassungen vorgenommen.

    Beste Grüße
    Frank

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