msg life: Richtung stimmt, schüchterner Ausblick enttäuscht (Kommentar zu den vorläufigen Zahlen)

msg life: Richtung stimmt, schüchterner Ausblick enttäuscht (Kommentar zu den vorläufigen Zahlen)

Ergebnisse msg life AG in 2014

Nachdem ich vor kurzem einen Überblick über die Situation bei der msg life AG gab und einen Ausblick gewagt habe (siehe meine Artikel “Eine Analyse der MSG Life AG vor den Zahlen zu 2014“), gab es mittlerweile eine Vorabmeldung zu den Zahlen für 2014 (Umsatz und EBITDA). Folgende Zahlen hat man am 2.4.2015 veröffentlicht:

Gesamtumsatz: 104,3 Mio. Euro (9M: 75,366 Mio. Euro)
EBITDA: 11,4 Mio. Euro (9M: 10 Mio. Euro)

Der Nettogewinn und Gewinn je Aktie wurde bisher nicht veröffentlicht, sollte allerdings durch Sondereffekte für 2014 (z.B. Verkauf Bankingsparte) sehr ordentlich ausfallen. Ich hatte in meinem Artikel “Eine Analyse der MSG Life AG vor den Zahlen zu 2014” ein Ergebnis von 0,32 Euro/Aktie geschätzt. Bleibt abzuwarten, ob wir das erreicht haben. Wichtiger für die Zukunft ist aber die operative Ertragskraft. Daher ist aus meiner Sicht der interessanteste Aspekt das Delta EBITDA aus 9M und den 2014-er Zahlen. Ich habe die 9M- Zahlen in Klammern gesetzt. Es ergibt sich ein Quartalsumsatz von ca. 28,9 Mio. Euro und ein Quartals-EBITDA von ca. 1,4 Mio. Euro. Das große Problem für den Ausblick bisher waren ja die vielen Sondereffekte während der Restrukturierung, sodass es nahezu ausgeschlossen war die tatsächliche operative Ertragskraft des Unternehmens einzuschätzen. Daher nun mal eine Hochrechnung. Nimmt man das 4. Quartal als Schätzung für 2015 käme man in 2015 auf folgende Zahlen:

Umsatz: 115,7 Mio. Euro
EBITDA: 5,6 Mio. Euro

Während man damit beim Umsatz mehr als zufrieden sein könnte (eine Steigerung von ca. 11%), ist das rechnerische EBITDA eher enttäuschend. Da man allerdings Projektgeschäft abwickelt, dass zu Teilen auch Festpreisprojekte enthält, kann es natürlich zu unregelmäßigen Zahlungsströmen und Einnahmen kommen.

Ausblick 2015

Offiziell hat man in der Meldung vom Donnerstag folgende Zahlen als Ausblick für 2015 genannt:

Umsatz: 105 Mio. Euro
operatives EBITDA: 8 Mio. Euro

Im Vergleich zu unserer Hochrechnung oben fällt auf, dass wenn man Q4 als Basis für eine Hochrechnung verwendet das Umsatzziel realistisch aussieht. Allerdings erscheint das EBITDA Ziel recht ambitioniert. Während man beim Umsatz den Ausblick der u.a. auf der Hauptversammlung 2014 gegeben wurde – siehe “Bericht zur Hauptversammlung msg life AG 2014 (ehemals COR&FJA)” – auch wieder bestätigt (leicht steigender Umsatz von Basis ca. 100 Mio. Euro), so liegt man mit der aktuellen Planung für 8 Mio. Euro EBITDA am untersten Ende der damals genannten Planzahlen. Genannt wurden dort: operatives EBITDA von 8 bis 10 Mio. Euro in 2015 und mittelfristig eine Quote von 8-10% des Umsatzes. Nun wird 8 Mio. EBITDA nicht einmal die untere Grenze von 8% erreichen (das wären 8,4 Mio. Euro).

Mein Eindruck ist, dass der aktuelle Vorstand offensichtlich recht vorsichtig geworden ist, nachdem man das Ergebnis für 2013 mehrmals nach unten korrigieren und dafür viel Schelte einstecken musste. Ich gehe daher davon aus, dass man hier wirklich das Basisszenario als Ausblick verwendet. Nichtsdestotrotz muss die Marge sich verbessern, wenn man langfristig erfolgreich sein will.

Fazit

Für mein Wikifolio “ESCON Value – Special Situations” habe ich eine große Position in msg life aufgebaut. Angesichts des ohnehin schon recht mageren Ausblicks auf 8-10 Mio. Euro EBITDA bei über ca. 104 Mio. Euro geplantem Umsatz und dem noch vorsichtigeren neuen Ausblicks auf 8 Mio. EBITDA werde ich die Position überdenken. Wir haben zwar den Turnaround offensichtlich geschafft. Nun muss allerdings die Profitabilität auch passen. Ich habe mal von zwei (großen) Standardsoftwareentwicklern die EBITDA Margen der letzten Jahre rausgesucht. Ergebnis:

EBITDA Quoten anderer Unternehmen:

SAP: ca. 30%
Software AG: zwischen 25% und 29%

Daher ist eine Marge von 8-10% mit einem Ausblick am untersten Ende für 2015 sehr schwach. Zudem ist mein Eindruck, dass das Geschäft mit dem Consulting deutlich margenstärker ist und man im Geschäft mit der Standardsoftware momentan kaum Gewinne macht. Mehr Klarheit wird hier aber erst der vollumfängliche Jahresabschluss bieten. Wie auch immer die Lage ist, dem Kurs wird dieser Ausblick bis auf weiteres wohl nicht helfen. Wenn man vom Plan-EBITDA für 2015 ausgeht, sehe ich kein großes Kurspotential. Daher würde ich für den Moment auf jeden Fall die Position nicht weiter ausbauen.

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