Golf: Birdie Chancen am Aktienmarkt, Golfball auf Dollarscheinen

Golf: Birdie-Chancen am Aktienmarkt?

Golfaktien – Welche interessanten Investment-Ideen gibt es da?

  
Golfball aufgeteet mit Driver: Golf Investments an der Börse
Bereit zum Abschlag: Golf an der Börse
Seit einigen Jahren spiele ich leidenschaftlich Golf. Leider nicht so oft und so lange, wie ich gern würde, da sind halt noch die anderen Dinge im Leben wie die Familie und die Kinder und nicht zuletzt die Notwendigkeit, die Greenfees und die verlorenen Bälle auch irgendwie zu finanzieren…
 
Daher habe ich mich gefragt, ob man mit dem neuen teuren Hobby nicht auch an der Börse Geld verdienen kann. Die Golf-Kundschaft ist zumeist sehr zahlungskräftig. Die Bereitschaft für Freizeitaktivitäten viel Geld auszugeben steigt. All dies sollten doch gute Voraussetzungen für Unternehmen im Golf-Business sein um sich erfolgreich ein großes Stück vom Kuchen abzuschneiden.
 
 
  

Was macht eigentlich den Golfsport so spannend?

Bevor wir uns mit dem Investment beschäftigen, muss ich kurz eine Werbung für den Golfsport einschieben 🙂
Im Golf spielt man zusammen im Flight mit bis zu drei anderen Spielern – dennoch spielt man überwiegend gegen sich selbst. Mentale Stärke ist dabei im Golf fasst wichtiger als Technik und Training – Kraft ist nicht unbedingt von Nöten. So kann man sich mit anderen austauschen und in Ruhe unterhalten (Handys sind nämlich auf Golfplätzen verpöhnt) und eine schöne Zeit in der Natur genießen. 
Man verbringt viel Zeit auf wunderschön gepflegten Anlagen. Wer z.B wie ich das Glück hat im südlichen Bayern zu wohnen, der kann bei gutem Wetter die Gipfel der Alpen betrachten, um sich vom letzten vielleicht nicht ganz optimal getroffenen Pitch zu erholen. Wer im Raum München günstig die Platzreife erwarbern möchste , der kann sich gern mal in meinem Club umschauen.
 
Früher oder später kam mir die Idee mein neues geliebtes Hobby – das Golfen – mit meiner Investitionstätigkeit zu kombinieren. Ich ging davon aus, dass mit all den gut-situierten Golfern und den hochpreisigen Produkten eigentlich sehr viel Geld zu verdienen sein müsste. 
 
Daher begab ich mich auf die Suche nach
"Birdie-Chancen am Aktienmarkt"
 
 

 

Auf zur Analyse der Golf Unternehmen

Wie gewohnt geht es bei mir hauptsächlich um die fundamentale Analyse. Allerdings ist mir auf Anhieb kein Unternehmen geläufig, dass sich auf den Golfsport spezialisiert und an einer Börse notiert ist. Daher werden wir für unser Vorhaben noch vor der fundamentalen Analyse ansetzen und erstmal ein wenig recherchieren.
 

1. Große internationale Golf Unternehmen – brainstorming

Welche börsengehandelten Unternehmen gibt es denn weltweit und vielleicht sogar in Deutschland die sich mit Golf beschäftigen?

Folgende Firmen stehen nach zwei Minuten brainstorming ohne Recherche im Entwurf für diesen Beitrag:

  • Titleist
  • Wilson
  • Callaway
  • Ping
  • mizuno
  • Footjoy …

dann – etwas später – auch

  • Nike
  • Adidas
  • Golfino von Golfhouse

So, dann wird es langsam eng. Mehr fallen mir jetzt auf Anhieb nicht ein. Irgendwie muss es doch da noch mehr geben…? Da hilft wohl nur eine Recherche im Internet. 

Bevor ich allerdings auf die Suche nach weiteren Unternehmen gehe, stelle ich eine Hypothese auf. Üblicherweise sind die Hersteller hochpreisiger Produkte mit starkem Markenimage auch diejenigen, die hohe Margen und hohe relative Gewinne einfahren. Als Käufer von Golf-Equipment und treuer Zuschauer von PGA und European Tour events, würde ich hohe Margen erwarten bei den folgenden Unternehmen:

  • Footjoy
  • Titleist
  • Callaway

2. Rechere im Internet nach den großen Golf-Unternehmen

Nun genug der Vorüberlegungen, fangen wir an zu recherchieren und schauen uns die Fakten an. Erstmal versuche ich die sehr lückenhafte Aufstellung namhafter Golfunternehmen halbwegs zu vervollständigen.
a) Los geht’s mit einer Suche auf Google: „Ranking the 10 Best Brands on the PGA Tour“ (http://bleacherreport.com/articles/2283728-ranking-the-10-best-brands-on-the-pga-tour)
Das sind die „erfolgreichsten“ Marken auf der PGA Tour.
  • Cobra-Puma
  • Mizuno (immerhin, die hatte ich!)
  • Cleveland Golf (hm, ok)
  • Bridgestone (die haben tatsächlich was mit Golf zu tun, aha)
  • Nike
  • Ping
  • Callaway
  • TaylorMade (mein Gott, wie konnte ich die vergessen?)
  • Titleist

 

b) Weiter geht’s hier: Top Golf Companies (http://golftips.golfweek.com/top-golf-companies-1356.html)
Ok, wir haben Nike und Callaway. Soweit keine Überraschung. Doch dann:
Acushnet – baboom, es stellt sich heraus, dass etliche Marken wie z.B. Titleist, Pinnacle oder Foot Joy alle zu einem Konglomerat namens Acushnet gehören. Das ist interessant. Versammelt sind hier (vorbehaltlich einer ordentlichen Recherche) aus meiner Sicht schon mal die Marktführer bei Golf-Bällen und bei Golf-Schuhen. Das könnte ein interessanter Kandidat für eine Investition sein.
 
Hier ein Spot von Titleist – ich mag die Spots 🙂
 

 
c) Einer der nächsten Google-Treffer verweist auf eine statista.com Statistik:

Selected golf equipment/apparel companies ranked by revenue in 2016 (in million U.S. dollars)

 

Nun gut, wir wissen, dass Nike und adidas an der Börse notiert sind. Beides sind aber sicher keine reinen Golf Unternehmen. Dazu sollten schon deutlich über 50% des Umsatzes aus dem Golf-Geschäft stammen. Außerdem hat adidas vor Kurzem Taylormade (und weitere Marken) verkauft. Bleiben erstmal noch Callaway und Acushnet.

Acushnet ist börsennotiert, wie ein Blick auf die Homepage des Unternehmens offenbart. Überraschenderweise zeigt sich auch ganz schnell, dass Acushnet erst 2016 per IPO an die Börse gegangen ist. Das Unternehmen ist an der NYSE notiert und hat sich dort passenderweise das Kürzel „GOLF“ gesichert. Das ist wohl an mir vorüber gegangen… Also: ab auf die Liste für die fundamentale Analyse.
Nun aber erstmal noch ein bisschen auf die Jagd gehen, nach Informationen über große Golf Unternehmen. Weitere Kategorien, die mir dazu einfallen:

Golfplatzbetreiber

Eine Recherche führt relativ schnell zu einer Liste der größten Golfplatzbetreiber nach Zahl der betriebenen Anlagen. Wieder werde ich bei statista.com fündig. In der folgenden Tabelle sind sie dargestellt. Dazu habe ich auch gleich recherchiert, ob das Unternehmen börsennotiert ist. Schließlich wollen wir ja herausfinden, ob es hier gute Investitionsmöglichkeiten gibt.

Als Essenz können wir also hier die folgenden Unternehmen zur Analyse mitnehmen:

  • ClubCorp
  • Woodbridge Holdings / BBX
  • TWC Enterprises Limited
  • (Marriot Golf schließe ich aus, da der Anteil am Gesamtumsatz für Marriot gering sein dürfte)

Liste der großen börsennotierten Golfunternehmen

Abschließend nun die Liste der großen Golf Unternehmen, die börsennotiert sind. Mit großer Wahrscheinlichkeit gibt es noch mehr Unternehmen, ich bitte jeden Leser auch ausdrücklich um Kommentar unten, wenn ihr weitere Unternehmen kennt die hier fehlen.

 

3. Fundamentale Analyse der Kandidaten

Nun aber zur Analyse…

Zur fundamentalen Finanzanalyse deutscher Aktien entwickele ich momentan das Tool AnaGhuba. Damit lassen sich deutsche Aktien analysieren. Schaut doch mal vorbei, die Unternehmensanalyse ist frei verfügbar und ohne Registrierung zu nutzen. Wir haben seit Kurzem auch einen stock screener … 

AnaGhuba – Quick Check IFA Hotel&Touristik

Da wir hier aber erstmal amerikanische Aktien analysieren wollen, benutze ich YCHARTS.COM – ein tolles Analyse tool für amerikanische und internationale Aktien. Meine Standard-Checks, die ich zu Beginn durchführe habe ich hier beschrieben. Wir starten also mit EK-Quote und EK-Rendite. Auch für Warren Buffet (mehr über meinen Besuch der Hauptversammlung von Berkshire Hethaway gibt’s in diesem Artikel) ist übrigens die Rendite auf das eingesetzte Kapital ein sehr wichtiger Punkt bei der Analyse.

Acushnet und Callaway – die großen Hersteller zuerst

Meine bisherige Analyse hat gezeigt, dass die großen börsennotierten Unternehmen Acushnet und Callaway sind. Mit diesen starten wir also den Vergleich.

GOLF Chart

GOLF data by YCharts

Ein erster Vergleich der wichtigen Indikatoren EK-Rendite (return on equity) und debt-to-equity (Fremdkapitalquote) zeigt, dass die Eigenkapitalrendite bei beiden Unternehmen im grünen Bereich ist. 30,78% EK-Rendite bei callaway deutet auf eine Sondersituation hin, da ansonsten eine solche Quote kaum erreicht wird. Acushnet bietet mit 9,83% EK-Rendite aber auch einen annehmbaren Wert. Die Nettoverschuldung von Acushnet hat sich in den letzten Jahren extrem verringert. Dies hängt allerdings hauptsächlich mit dem IPO in 2016 und der damit verbundenen Kapitalerhöhung zusammen. Ein Blick in die Bilanz 2016 zeigt, dass sich das Eigenkapital von ca. 193 Mio. USD auf 768 Mio. USD vervielfacht hat durch die Ausgabe neuer Aktien (Kapitalerhöhung). Für den Moment hat sich damit die Verschuldungssituation deutlich verbessert für Acushnet. Allerdings bin ich doch aufgrund der Werte noch vor kurzem bei 5,5 alarmiert. Acushnet ist somit für sicher kein Kandidat für die engere Auswahl – trotz der tollen Marken im Besitz von Acushnet.

Schauen wir uns als nächstes noch die Margen an. Am Anfang hatte ich ja die These aufgestellt, dass Unternehmen mit den großen, bekannten Marken gute Margen haben. 

Hier der Überblick über die Margen:

GOLF Chart

GOLF data by YCharts

Fazit:

Auch hier sieht bei callaway alles wirklich toll aus. Da allerdings die Nettomarge (Profit Margin, 18,09%) größer als die operative Marge (Operating Margin, 7,38%) ist, gibt es hier offensichtlich eine Sondersituation. Wir müssen noch näher untersuchen, wie das zustande kommt. Basierend auf den guten Margen ist Callaway definitiv eine umfassendere Analyse wert. Auch für Golfspieler hat Callaway natürlich einen wertigen Klang. Meine Schläger kommen übrigens zum allergrößten Teil von Callaway. Entweder direkt oder als Odyssey Putter. Ich bin also etwas vorbelastet… Nichtsdestotrotz werde ich absolut vorurteilsfrei den Jahresbericht 2016 lesen. Ich will verstehen, warum Callaway scheinbar so günstig zu haben ist und suche nach Gründen, die Aktien NICHT zu kaufen.

Callaway – detailliertere Analyse

Mit den Produkten GBB Epic Woods (Great Big Bertha), O-Works Putter (Odyssey) und den Chrome Soft X Bällen hat Callaway jede Menge absolut bekannte und wohlklingende Markenprodukte im Sortimetn.

Aus dem Geschäftsbericht 2016 lässt sich zusammen fassen:

  • ca. 50% des Umsatzes wird in den USA erwirtschaftet
  • das Unternehmen ist in ca. 100 Ländern aktiv, der Hauptumsatz wird dabei in folgenden Ländern/Regionen erwirtschaftet:
    • Japan,Europa, Korea, Kanada, Australien, China and Indien
  • als Hauptwettbewerber werden genannt:
    • für Driver, Hölzer und Eisen: TaylorMade, Ping, Acushnet (Titleist brand), Puma (Cobra brand), SRI Sports Limited (Cleveland and Srixon brands), Mizuno and Bridgestone.
    • für Putter: Acushnet (Titleist brand), Ping
    • versehen mit der Anmerkung, dass man sich bei Callaway als Technologieführer in allen diesen Märkten ansieht

Ein Blick in die Gewinn- und Verlustrechnung zeigt, dass es in 2016 eine Steuergutschrift in Höhe von 132 Mio. USD gab, die auch für die deutlich höhere Nettomarge im Vergleich zur operativen Marge sorgt. Aufgrund der guten Geschäftsentwicklung in den letzten beiden Jahren wurden Wertberichtigungen auf latente Steueransprüche aufgelöst. Dies hat zu einer nicht-zahlungswirksamen Einnahme bei den Steuern geführt. Ohne diesen Effekt wäre die Nettomarge (profit margin) doch deutlich niedriger aber immer noch auf annehmbaren Niveau. 

Um solche nicht-zahlungswirksamen Effekt auszublenden, werfen wir noch einen Blick auf den Free Cashflow. Das ist eigentlich bei jeder Analyse eine wichtige Kennzahl – gibt doch der free cashflow an, wieviel Zahlungsmittel/Cash nach Investitionen tatsächlich in der Kasse verbleiben

GOLF Chart

GOLF data by YCharts

Auch hier zeigt sich ein deutlich positiveres Bild für callaway. Seit Mitte 2014 gibt es einen positiven freien Cashflow mit steigender Tendenz. Für Acushnet schaut auch diese Metrik nicht so gut aus und der freie Cashflow ist in den negativen Bereich abgerutscht. Allerdings muss man einschränken, dass der freie Cashflow in einzelnen Jahren auch stark schwanken kann, wenn z.B. größere Investitionen getätigt werden. Aber unter dem Strich ein weiterer Punkt, der gegen Acushnet spricht.

Basierend auf allen hier gezeigten Metriken und Vergleichen, kommt callaway aufgrund der folgenden Faktoren grundsätzlich für ein Investment meinerseits in Frage:

  • niedrige Verschuldung
  • gute Eigenkapital-Quote bzw. Debt-to-Equity (Verschuldung) von 0,02
  • gute EK-Rendite
  • positiver und steigender free cashflow

Nun bleibt allerdings noch der Blick auf die letztendliche Bewertung an der Börse:
ELY Chart

ELY data by YCharts

Leider ist mir persönlich die Bewertung zu hoch. Das KGV liegt zwar (für die letzten zwölf Monate – trailing twelve months TTM) bei 7,698 – das ist aber ein Folge des weiter oben beschriebenen Steuereffektes. Schön kann man das beim Kurs/Free Cashflow Verhältnis sehen. Das ist zwar auch etwas kleiner geworden, hat aber nicht den ganz großen Sprung wie beim KGV mitgemacht. Das foward KGV liegt bei 32. Somit ist die Aktie im Moment bei 14,01 USD bzw. 11,68 EUR (Lang und Schwarz) zu teuer für meine Maßstäbe. Allerdings ist die Aktie auf meiner Beobachtungslist im wikifolio ESCON Value – Special Situations gelandet. Sollten sich hier positive Nachrichten ergeben oder günstige Kurse, würde ich einen Einstieg in Erwägung ziehen…

Acushnet

Schaut man sich die Segmentberichterstattung des Unternehmens an, so sieht man schnell, dass die mit Abstand besten Margen im Bereich der Titleist Golfbälle realisiert werden. Allerdings sind die Umsätze und Ergebnisse in diesem Bereich in den letzten beiden Jahren jeweils zurück gegangen. Insgesamt hat auch die Analyse bisher schon gezeigt, dass zumindest für meine Qualitätskriterien Acushnet momentan nicht für ein Investment in Frage kommt. Auch der Börsengang von Acushnet ist schwierig verlaufen

Wie weiter oben schon dargestellt ist Acushnet momentan keine Aktie, in die ich investieren würde (trotz der tollen Golfbälle und Golf-Schuhe 🙂 

  • bis vor kurzem hohe Verschuldung
  • IPO mit Problemen
  • Margen mit 4,19% Nettomarge relativ gering
  • Umsatz und Ergebnis im Bereich Titleist Golfbälle in den letzten zwei Jahren rückläufig

Eventuell könnte Acushnet ein Turnaround-Kandidat sein. Für eine Investition müsste man sich aber noch viel intensiver mit dem Geschäftsmodell, den Aussichten und dem Management auseinander setzen. Momentan für mich kein Kaufkandidat!

Um den Umfang dieses Artikels nicht zu sprengen, verschiebe ich die Analyse der Golfplatzbetreiber auf einen späteren Artikel. Ich hoffe, ich konnte eine Idee von der Vorgehensweise zur Analyse von Unternehmen in bestimmten Märkten und der Nutzung der fundamentalen Kennzahlen geben.

In jedem Fall möchte ich euch zwei Dinge empfehlen

  • Investiert in Aktien, ihr werdet damit langfristig Erfolg haben
  • Spielt Golf, es macht euch zu besseren, demütigeren Menschen 🙂

 

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