Fundamentaler Quick-Check für Aktien

Mein Quick-Check für Aktien

Wenn ich damit beginne ein Unternehmen zu analysieren, führe ich i.d.R. als erstes einen Quick-Check durch. Dieser zeigt mir innerhalb von fünf Minuten, wie es um das zu analysierende Unternehmen aus fundamentaler Sicht bestellt ist. Für den Zweck der fundamentalen Analyse haben wir die Webanwendung „AnaGhuba entwickelt, die kostenlos von jedem genutzt werden kann.

Sollte sich bei dem Quick-Check ein negatives Bild ergeben (also nicht alle Kriterien erfüllt sein), so bedeutet dies nicht zwingend, dass ich die Analyse nicht fortsetze, aber es müssen sich dann schon gewichtige Gründe ergeben. Die Prüfungen stellen schließlich den gatekeeper dar. So deuten bspw. eine niedrige Eigenkapitalquote (EK-Quote) oder Eigenkapitalrendite auf eine problematische Situation hin. Hier sollte man dann genau hinschauen und die Ursachen analysieren.

Die fünf Kennzahlen des Quick-Check

Mein üblicher Standardkatalog, den ich zu Beginn einer Analyse abarbeite umfasst folgende Kriterien

  • EK-Quote:
    • die EK-Quote zeigt den Anteil des Eigenkapitals, also des eingezahlten Kapitals und der Gewinnrücklagen am Gesamtkapital und sollte über ca. 35% liegen
    • die Ausschlussgrenze liegt bei mir bei ca. 25%, alles was darunter liegt scheidet normalerweise aus
    • Eigenkapital ist DIE Absicherung des Unternehmens für schlechtere Zeiten um finanziell beweglich zu bleiben und unabhängig von Fremdkapital agieren zu können
    • eine höhere EK-Quote führt zu einer höheren Bonität und Kreditwürdigkeit bei (potentiellen) Kreditgebern
    • die EK-Quote ist von der Branche abhängig, in kapitalintensiven Branchen (z.B. Anlagenbau oder die Chemische Industrie) wird die EK-Quote regelmäßig geringer sein, als in wenig kapitalintensiven Branchen
  • EK-Rendite:
    • hängt von der Branche ab, sollte aber mindestens im Bereich von 5-10% liegen
    • Die EK-Rendite hängt direkt mit der EK-Quote zusammen: Je höher der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital, desto schwieriger ist es eine gute Rendite zu erwirtschaften
    • daher muss die EK-Rendite immer zusammen mit der EK-Quote betrachtet werden (eine hohe EK-Rendite bei gleichzeitig sehr niedriger EK-Quote ist kein Qualitätsmerkmal!)
  • Gewinnmarge (bzw. operative Marge EBIT/UMSATZ)
    • gibt über die Produktivität eines Unternehmens Auskunft –> welcher Netto-Gewinn wird vom Umsatz erzielt
    • hier gibt es keine klare Untergrenze, zumal auch dieser Wert branchenspezifisch ist; aussagekräftig ist der Wert im Vergleich von Unternehmen und im Zeitablauf über mehrere Jahre
    • höhere Margen sind immer gut und zeigen die Qualität eines Geschäftsmodells
    • eine hohe Marge
      • zeigt an, dass ein Unternehmen die Kosten im Griff hat
      • ist ein eingebauter Schutz vor ungeplanten bzw. außerordentlichen Belastungen, die gut abgefangen werden können
      • sagt viel über ein vorteilhaftes Geschäftsmodell aus
  • Verschuldungsgrad (gearing ratio)
    • zeigt das Verhältnis der Netto-Finanzverbindlichkeiten (siehe unten) zum Eigenkapital
    • zeigt im Gegensatz zur EK-Quote nur finanzielle Verbindlichkeiten und setzt diese ins Verhältnis zum Eigenkapital
    • ein Wert von über 60% zeigt eine relativ hohe Verschuldung und muss näher analysiert werden
  • Netto-Finanzverbindlichkeiten
    • Interessanter Check, der finanzielle Verbindlichkeiten und liquide Mittel ins Verhältnis setzt
    • die absolute Höhe ist nur im Verhältnis zur Bilanzsumme sinnvoll einzuschätzen
    • oftmals zeigt aber die Kennzahl auch (wenn der Wert negativ ist), dass ein Unternehmen bzw. Konzern netto schuldenfrei ist

weiteres Vorgehen

Neben den Zahlen für das letzte Geschäftsjahr sollte man auch auf die vergangenen Jahre (AnaGhuba zeigt die Daten der vergangenen 10 Jahre) achten. Dabei kann man versuchen, folgende Fragen zu beantworten: Gibt es einen positiven Trend bei den Kennzahlen? Schwanken die Kennzahlen stark, sodass ein oder zwei gute Jahre wenig Aussagekraft haben? War das letzte Jahr u.U. nur ein Ausreißer aufgrund von Sondersituationen (außerordentliche Erträge, außerplanmäßige Abschreibungen …)? 

Wenn dieser Quick-Check positiv verläuft, kann man mit einer umfangreicheren Analyse beginnen. Dafür stehen in AnaGhuba über 30 Kennzahlen und Positionen der Abschlüsse zur Verfügung. Mit dem Unternehmensvergleich können bis zu drei Unternehmen bzgl. aller Kennzahlen direkt verglichen werden.

Neben dieser rein quantitativen Analyse muss natürlich auch eine qualitative Analyse des Unternehmens, des Geschäftsmodells, des Marktes, der Branche usw. durchgeführt werden bevor letztendlich eine Investmententscheidung getroffen wird.

Im Video zeige ich, wie einfach der Quick-Check mit Hilfe von AnaGhuba funktioniert.

 

Melde Dich jetzt kostenlos an unter: www.anaghuba.de

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